Mittwoch, 11. Juli 2018

NSU Schauprozess endet mit planmäßig mit einer Farce



Endlich hat das Gedöns vor dem OLG München ein Ende. Und zwar ein planmäßiges Ende, denn die Rollen im Schauprozess um Richter Götzl waren von Anfang an klar verteilt. Alle Beteiligten hielten sich strikt ans Drehbuch (des Generalbundesanwaltes) und erfüllten ihre Aufgabe anstandslos. Die richtigen Fragen wurden nicht gestellt, weder vom Gericht noch von der Verteidigung. Die Hauptangeklagte, in Wahrheit nur Stellvertreterin für zwei Tote, die sich nicht mehr wehren können, gestand Morde, von denen sie selbst nie etwas wusste und von denen sie auch nie etwas von ihren ehemaligen Freunden, den Uwes, hätte erfahren können. Denn da Böhnhardt und Mundlos die Dönermorde nicht begangen haben, kann es auch nichts gegeben haben, was Zschäpe hätte wissen können.

Staatsversion erfolgreich durchgewunken und bejubelt


Aber die undurchsichtige Frau, die schon seit den 1990er Jahren für staatliche Geheimdienste als Agentin gearbeitet haben soll, erweckte den Eindruck, als wüsste sie was. Ob freiwillig oder erpresst, bleibt unklar. Nach Aktenlage scheint klar, dass sich Zschäpe im November 2011, einige Tage nachdem die Uwes ermordet in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden wurden, freiwillig den Behörden gestellt hat mit der erklärten Absicht, Aussagen zu wollen. Was sie aussagen wollte und warum, darüber legten sie und die Behörden lange den Mantel des Schweigens.  

Sicher ist, dass Zschäpe, kurz bevor sie sich stellte, also auch bevor ihr Name überhaupt mit irgendwas in Verbindung gebracht wurde, Anrufe aus dem Staatsapparat erhielt. Von wem und warum? Nie aufgeklärt. Instruktionen für eine V-Frau, was jetzt zu tun sei? Drohungen, dass es ihr wie ihren Freunden erginge, wenn sie sich nicht stellt?

Längst pfeifen es die Spatzen von allen Dächern, dass die beiden Uwes keinen „Selbstmord“ verübten und anschließend das Wohnmobil anzündeten. Alle Fakten sprechen dagegen. Trotzdem belog der damalige BKA-Chef Zierke den Bundestag mit dieser Selbstmordtheorie und der beschloss daraufhin schon lange vor Beginn eines Gerichtsverfahrens, wer die Schuldigen sind und was sie getan haben. Die jahrelange Beweisaufnahme in München war also von vornherein eine Farce, denn es stand sowieso fest, was am Ende herauszukommen hat.

Die Selbstmordtheorie ist der grundlegende Baustein für die Legende vom „rechtsextremen NSU“, den es ohne die beiden rechten Uwes als (tote) Haupttäter nicht geben kann. Warum aber zwei vermeintlich brutale Killer, die am helllichten Tage bereits zehn Menschen eiskalt ermordet haben, sich wegen zwei kleiner Streifenpolizisten auf einmal selbst umbringen sollen, das ergibt einfach keinen Sinn. Nach offizieller Diktion hätten sich die Uwes, die eben noch höchst erfolgreiche und seit Jahren unentdeckte Serienmörder sowie Mehrfachbankräuber waren, binnen weniger Augenblicke spontan dazu entschließen müssen, wegen zwei kleinen Provinzbullen aufzugeben, sich zu erschießen und ihr Fahrzeug anzuzünden. Und das, obwohl sie laut Auffindesituation bis an die Zähne bewaffnet waren.

Na, wie klingt das für Sie? Total realistisch oder nicht eher völlig abwegig? Fakt ist: Die Uwes konnten zu diesem Zeitpunkt keinen Entschluß mehr fassen, denn die lagen längst mausetot im Inneren des brennenden Wohnmobil. Ein Unbekannter soll kurz bevor die Anwohner den Rauch sehen konnten, das Fahrzeug verlassen haben. Aber die Zeugenaussagen wurden letztlich ignoriert, obwohl es genau ins Bild passt, denn: Selbstmord scheidet aus, es muss mindestens einen Mörder geben, der immer noch frei herum läuft. Es war kein Ruß in den Lungen der Uwes. Mindestens einer der beiden hätte aber Ruß in der Lunge haben müssen, nämlich der, der zuerst den anderen erschossen, dann das Feuer gelegt und anschließend sich selbst erschossen haben soll.

Aber die offizielle Version war von Anfang an in Stein gemeißelt: Die Uwes und die Zschäpe waren der „NSU“ und sie haben die Dönermorden begangen. Zwei ganz gewöhnliche Ostglatzen, die niemals eine militärische Ausbildung durchlaufen oder anderweitig den professionellen Umgang mit Waffen erlernt haben, werden als Profikiller aus dem Hut gezaubert, die zehn Morde ohne jede Spur verübt haben sollen. Morde am helllichten Tag mitten in belebten Gegenden und trotzdem nicht die geringste Spur, keine DNA, nichts. Derart perfekte Verbrechen sind ohne Rückendeckung durch Geheimdienste und Behörden nicht möglich. Parallelen zu den Morden der „Dritten Generation“ der RAF an Rohwedder oder Herrhausen drängen sich auf.

Über zehn Jahre wurde nach dem oder den Tätern der Dönermorde gefahndet. Die Spuren in die organisierte Kriminalität waren nicht zu übersehen. Kontakt ins kriminelle Milieu – das war es, was all die scheinbar zufälligen Opfer miteinander verband. Nicht ihre Nationalität. Als die Fahnder kurz vor der Aufklärung des Dönermord-Komplexes standen, endeten die Ermittlungen in der Sackgasse. Es schien, als bildeten staatliche Sicherheitsinteressen und politische Verwicklungen internationaler Art eine unüberwindbare Mauer.

Wie gut, dass der Staat unbedingt einen rechten Terrorismus brauchte. Von selbst kam das trotz aller V-Leute nie richtig in Gange, aber nun bot sich offenbar die Gelegenheit, einen über Jahre im stillen Kämmerlein gezüchteten Geheimdienst-Plot „auffliegen“ zu lassen und die ungeklärten Dönermorde darin zu entsorgen. Der mordende „NSU“ war geboren. Die Sache hat nur einen Haken, den alle etablierten Medien bis heute verschweigen: Es gibt kein „rechtes“ Mordmotiv. Denn: Wer aus Fremdenhass Ausländer ermorden will, der würde niemals so aufwendig und uneffektiv vorgehen, wie es die Dönermörder taten.

9 Morde in fünf Jahren, mit derart aufwendiger Planung und Vorbereitung? Das ist schlicht Unsinn. Wer bis an die Zähne bewaffnet ist und einfach nur aus Hass töten will, der kann in sehr viel kürzerer Zeit eine viel größere Zahl an Ausländern umbringen. Sprengstoff, Bomben, ein Massaker in einem Ausländerviertel einer Großstadt und schon sind Hunderte auf einen Schlag tot. Warum sich also so viel Mühe machen? Warum irgendwelche völlig unbekannten Gemüsehändler recherchieren, deren Tod nicht einmal symbolisch was nützt? Und warum die ganzen Jahre sich nicht als „NSU“ zu den einzelnen Morden bekennen, wo doch gerade ein zeitnahes, authentisches Bekenntnis mit nachweislichem Täterwissen das Wichtigste überhaupt an einem politisch motivierten Anschlag ist?

Es gibt noch viele andere Aspekte, die mehr als deutlich gegen die offizielle Theorie sprechen, die nunmehr mit dem Urteil vom heutigen Tage auch gerichtlich manifestiert wurde. Recherchieren Sie selbst die Fakten von Anfang an. Die Sommerferien sind lang und es gibt viel zu lesen auf dem Portal des Arbeitskreis NSU unter http://www.arbeitskreis-n.su . Wer einen gesunden Menschenverstand hat, der weiß, dass die Uwes nicht die Mörder waren, sondern selbst ermordet wurden. Und der weiß auch, dass die Zschäpe ein falsches Spiel gespielt hat. Es war offenbar ihre Aufgabe, vor Gericht die offizielle Version zu bestätigen. Das hat sie geschafft. In diesem Sinne war ihr Beitrag zum Schauprozess „essentiell“. Als „besondere Schwere der Schuld“ kann man das durchaus bezeichnen, aber nicht im Sinne der Anklage, sondern im moralischen Sinne gegenüber Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die zu Unrecht als „mitverurteilte“ Mörder in die Justizgeschichte eingehen.

Vorbei ist mit dem Ende des Schauprozesses allerdings nichts, auch dafür haben Zschäpe und ihre „mitangeklagten“ Lakaien durch falsche Aussagen gesorgt. Jetzt, nachdem der „NSU“ als „rechte Terrortruppe“ gerichtlich bestätigt ist, werden staatlich gesteuerte Kreise mit Nachdruck nach einem vermeintlich existenten „Umfeld“ suchen. Das öffnet einer willkürlichen Hetzjagd auf Andersdenkende Tür und Tor. Wir kennen das noch aus RAF-Zeiten, wo im Mittelpunkt des Staatsinteresses nie die Aufklärung von Morden stand, sondern die Diskriminierung einer ganzen politischen Opposition.

Diese faschistische Hatz aus vergangenen Zeiten droht sich nun zu wiederholen. Das ist es, wozu es den Schauprozess und sein gefaktes Urteil brauchte.

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