Sonntag, 5. August 2018

Wieder inszenierte „Proteste“ im Iran – von Trumps Kriegsfalken ausgeheckt, von westlichen Medien gedeckt



Die iranische Republik ist allen im Wege: Den USA, die den Nahen Osten erobern wollen. Den westlichen Konzernen, die ans iranische Öl und Gas ran wollen. Und Israel, das alle arabischen Völker rund um sich herum am liebsten ausrotten will. Nur so ehrlich sagen mag es kaum einer. Darum wird nach immer neuen Vorwänden gesucht, um Proteste anzufeuern und endlich eine US-unterwürfige Regierung im Iran installieren zu können. Auch in den letzten Tagen sind diese Proteste wieder aufgeflammt, wie das transatlantische Machtelitenblatt BILD-Zeitung am 04.08.2018 freudestrahlend berichtete. Nur über die wirklichen Hintergründe erfährt der Leser nichts.

BILD freut sich über inszenierte Proteste


Jahrelang hetzte die BILD-Zeitung massiv gegen den ehemaligen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der 2013 abtrat. Er sei ein schlimmer Antisemit, Judenhasser, Holocaust-Leugner und was sonst noch alles. Warum die westliche Medienmafia aber tatsächlich eine solche Kampagne gegen Ahmadinedschad lostrat, blieb weitgehend geheim: Der damalige Staatspräsident hatte zusammen mit dem Irak und Syrien ein Abkommen über den Bau einer Pipeline unterzeichnet, mit der iranisches Gas aus dem South Pars Feld nach Syrien und von dort weiter nach Europa gepumpt werden sollte. Ohne dass Katar, Saudis und Konzerne aus den USA daran verdienen konnten. Das war sozusagen sein mediales „Todesurteil“.

Aber auch der aktuelle Präsident Hassan Rohani scheint es dem Westen nicht richtig recht machen zu wollen, obwohl er sogar als gemäßigt gilt. „Tod dem Diktator“ rufen und twittern aufgebrachte Demonstranten dieser Tage Rohani entgegen. Und die USA verhängen willkürlich ohne jede Rechtsgrundlage wieder Sanktionen gegen den Iran, die ab morgen in Kraft treten sollen. Wie das Handelsblatt schon im Mai berichtete, umfassen diese Sanktionen schwerste Eingriffe in innerstaatliche Angelegenheiten und legen quasi alle maßgeblichen Teile der iranischen Wirtschaft lahm: Kein Handel mit Gold oder Edelmetallen, kein Verkauf von Stahl oder Kohle, keine Transaktionen im Zusammenhang mit der eigenen Währung, Handelsbeschränkungen für die Automobilindustrie und Einfrieren von iranischem Vermögen und Konten im Ausland.

Zu diesen Sanktionen sind die USA weder berechtigt noch werden sie durch das Völkerrecht gedeckt. Das US-Office of Foreign Assets führt die Sanktionen nach eigenem Gutdünken durch, ohne jeden Gerichtsbeschluss und ohne etwas offenlegen zu müssen. Das sind Kennzeichen eines global agierenden Unrechtsregimes, einer weltweiten Willkürherrschaft durch die USA – aber Proteste dagegen bleiben in westlichen Medien vollständig aus.

Der BILD-Zeitungsartikel zeigt, wie gezielt versucht wird, die Proteste im Iran zum einen als religiösen Konflikt („Weg mit den Geistlichen“) darzustellen und zum anderen die schlechte wirtschaftliche Lage des Iran als Vorwand anzuführen, ohne jedoch darauf hinzuweisen, dass diese Lage nicht vom Iran selbst, sondern durch frühere Sanktionen der USA und der EU ausgelöst wurde. Der Iran selbst ist ein vergleichsweise wohlhabendes Land und die Bevölkerung dort hat kein Armutsproblem. Wenn jedoch von außen gesteuerte Maßnahmen dazu führen, dass z.B. die Nahrungsmittelpreise steigen, dann können interessierte Kreise den Unmut der Menschen sehr gut in eine falsche Richtung lenken.

Doch woher kommen die immer wieder aufflammenden Proteste und wer steckt wirklich dahinter?  

Hinter "White Wednesday" stecken US-bezahlte Exil-Iraner


In den Medien sehen wir immer wieder Bilder und Nachrichten, auf denen z.B. die Logos der „White Wednesday“-Kampagne oder der sog. „Volksmudschaheddin“ prangen. Populistische Hetzblätter wie BILD & Co. gehen nicht darauf ein, dass hinter dieser scheinbar studentisch-bürgerlichen Fassade gut bezahlte Exil-Iraner und US-Geheimdienste wie die CIA stecken. „White Wednesday“ zum Beispiel wird von der in den USA lebenden iranischen Kronprinzessin Yasmin Pahlavi unterstützt, die mit dem Kronprinzen Reza Pahlavi verheiratet ist und auch die „Foundation for the children of Iran“ gründete. Der iranische Adel wurde bekanntlich 1979 überflüssig, als sich unter Khomeini die erste iranische Republik gründete. Schlecht geht es den Adligen deshalb aber keineswegs, denn in den USA lebt es sich sehr gut und dort werden die iranischen Adligen gut dafür bezahlt, dass sie im Auftrag der US-Dienste immer wieder Propaganda zum Sturz der iranischen Republik betreiben.

Der weiße Mittwoch und die US-Kriegsfalken

Während seine Gattin an der Eliteuniversität des Herrn George Washington ihren Abschluss machen durfte, war Ehemann Reza Pahlavi  lange Jahre für die CIA tätig. Der Geheimdienst wurde schon von der Reagan-Regierung 1986 beauftragt, Exil-Iraner zu unterstützen und zu finanzieren. Laut einem Bericht des „New Yorker“ aus 2006 wurde auch Pahlavi von der CIA finanziert. Eine umstürzlerische Rede Pahlhavis wurde von der CIA illegal ins iranische Fernsehen gebracht. Laut Andrew Freedman vom Haverford-College begann Pahlavis Zusammenarbeit, nachdem er CIA-Chef Casey getroffen und ab dann monatliche Stipendien erhalten habe.

Zu den Unterstützern von „White Wednesday“ zählt auch der Exil-Iraner Amir Abbas Fakhravar alias Siyaavash, der als Journalist mit politisch-geheimdienstlichem Hintergrund in Washington tätig ist. Fakhravar war 1999 bei iranischen Studentenprotesten dabei, half 2002 bei der Gründung einer Studentenbewegung namens CIS und floh dann 2006 in die USA. Dort begann eine steile und schnelle Karriere im „National Iranian Congress“, einer US-Partei von ausgewanderten Iranern. Bereits zwei Jahre später war Fakhravar schon Direktor einer äußerst dubiosen, bei sourcewatch gelisteten Denkfabrik namens „Council for a Democratic Iran“ (CDI). Das CDI hat offenbar ein enges Verhältnis zur berüchtigten regierungsnahen PR-Agentur Hill & Knowlton. Zumindest spendete das CDI im Jahr 2008 eine auffallend hohe Summe an die PR-Firma The Livingston Group, zu deren Lobbyisten die Kongressabgeordneten Robert Livingston und Lauri Fitz-Pegado gehören. Fitz-Pegado arbeitete zuvor bei Hill & Knowlton, wo sie half, den ersten Golfkrieg zugunsten Kuweits vorzubereiten, indem sie eine Frontgruppe namens „Bürger für ein freies Kuweit“ initiierte.

Fakhravar macht keinen Hehl daraus, dass er ein Bush-Lakai ist


Fakhravras CDI finanziert also PR-Agenturen, die bereits Erfahrung mit dem Inszenieren von „Regime Changes“ unter bürgerlicher Fassade haben. Der umtriebige Exil-Iraner pflegt darüber hinaus auch ein verdächtig enges Verhältnis zur Bush-Cheney-Perle-Connection, also den Kriegsfalken und mutmaßlichen Drahtziehern von 9/11. Mit dem „Institute of World Politics“ ist er bei einer weiteren machtelitären US-Denkfabrik aktiv.

Die Volksmudschaheddin und die CIA

Eine besonders einflußreiche Rolle bei der Inszenierung von Protesten im Iran spielen seit Jahren die sog. „Volksmudschaheddin“, im Iranischen auch PMOI/MEK abgekürzt. Sie stecken offenbar auch wieder hinter den jetzt inszenierten Protesten, wie ihrem Twitterkanal eindeutig zu entnehmen ist. Die PMOI/MEK haben eine interessante Geschichte: Sie sind im Grunde eine kriminelle Privatmiliz. Heutzutage auch als Terroristen bezeichnet. Aber sie richten sich seltsamerweise stets gegen die legitime Regierung des Iran, darum werden sie von den USA unterstützt. Wie das Portal Heise Telepolis am 04.07.2018 berichtete, war PMOI/MEK im Jahr 2012 plötzlich von der  US-Terrorliste gestrichen worden. Die Streichung hatte offiziell die damalige US-Außenministerin und CFR/Bilderberger-Funktionärin Hillary Clinton veranlasst, aber es ist klar, dass einflußreiche Kreise dahinter gestanden haben müssen.

Der US-Journalist Seymour Hersh veröffentlichte damals Informationen, dass die „Volksmudschaheddin“ bereits vor dieser Streichung mit der CIA zusammengearbeitet haben. Eine kritische Veröffentlichung des Carnegiecouncil vom 17.10.2012 unter dem Titel „MEK: Wenn Terrorismus respektabel wird“ belegt, dass eine Gruppe einflußreicher Akteure hinter Clintons Entscheidung stand. Dazu gehörte z.B. der ehemalige NATO-Chef Wesley Clark und die ranghohen Drahtzieher Louis Freeh und Michael Hayden von FBI und CIA.  Die „Volksmudschaheddin“ verkörpern rein „zufällig“ genau das, was die USA im Iran haben wollen. So richtig gute Demokraten seien sie, behauptete der ehemalige Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, auf einer Konferenz im Jahr 2011 dreist. Und der ehemalige CIA-Mann Ray McGovern gab zu, dass die USA mit solchen Organisationen zusammenarbeiten, weil sie lokal stark verankert sind, aber für die Ziele der USA arbeiten wollten. Terroristen ja, aber nützliche, also gute Terroristen.

Gut bezahlte Terroristen mit Mordauftrag

Oder wie Karen Kwiatkowski, früher im Verteidigungsministerium tätig, sagte:  


"MEK ist bereit, Dinge zu tun, für die wir uns schämen würden und sie verschweigen. Aber für solche Aufgaben werden wir sie verwenden." 

(Zitat aus: "Die geheimen Pläne der US-Regierung für den Iran" von Markus Schmidt und John Goetz, WDR TV, Deutschland, 3. Februar, 2005).

Zu den „Aufgaben“ gehören inszenierte Bombenattentate ebenso wie Auftragsmorde.  Während des Iran-Irak-Krieges diente MEK als private Miliz für Saddam Hussein. Im Gegensatz zu den Beteuerungen von US-Offiziellen wie General Sheldon verlangen die „Volksmudschaheddin“ aber sehr wohl Geld für ihre Agentenarbeit und bekommen es auch, um es dann strategisch einzusetzen.

auch bei den aktuellen Protesten sind PMOI-CIA wieder mit dabei


Wie das genau passiert, ist schwer nachvollziehbar, aber laut einem Guardian-Report vom 21.09.2012 steckt unter anderem eine gewaltige Spendenaktion und Kampagne von rund 20 führenden iranisch-amerikanischen Organisationen in den USA dahinter. „Diese Gruppen haben Millionen von Dollar für Spenden an Kongressmitglieder ausgegeben, Washingtoner Lobbygruppen bezahlt und einflussreiche Politiker und Funktionäre beschäftigt, darunter zwei ehemalige CIA-Direktoren als Redner", wie die Financial Times vom 25.09.2013 zusammenfasste. Zu den bezahlten Propagandisten gehörte u.a. auch der ehemalige New Yorker Bürgermeister Giuliani.

Das Brooking Institut und die grüne Bewegung

Damit sind wir wieder bei den Exil-Iranern im Dienste der USA angekommen. Und bei mächtigen, einflußreichen Denkfabriken aus den USA, die auch im Iran mit der Methode der Soft-Power einen Regimewechsel durchsetzen wollen. Schon die sogenannte „Grüne Bewegung“ aus dem Jahre 2009 ging auf das Konto der US-Geostrategen:  Die Denkfabrik Brooking Institute veröffentlichte im Jahr 2009 ein aufschlußreiches Handbuch mit dem vielsagenden Titel „Welcher Weg nach Persien? Optionen für eine neue amerikanische Strategie gegenüber dem Iran.“ Damit gab das Institut selber zu, dass die USA die so genannte grüne Bewegung im Iran im Jahr 2009 über die Zivilgesellschaft und NGOs orchestriert hat, mit dem Ziel, einen Regimewechsel durch Aufstände und Gewalt zu provozieren. Kapitel 6 des Berichts betitelt als "die samtene Revolution, die Unterstützung eines Volksaufstandes " definiert das Ziel so: 


"Das wahre Ziel dieser politischen Option ist es, das klerikale Regime in Teheran zu stürzen und zu sehen, dass es hoffentlich durch eines ersetzt wird, dessen Ansichten besser mit den US-Interessen in der Region vereinbar wären. "(26s. 103).


Diese Regimewechsel-Methodik ist keinesfalls neu. Sie wurde von den USA zuvor bereits in Ägypten, der Ukraine oder im ehemaligen Jugoslawien angewandt. Farbrevolutionen, von den USA aus gesteuert und durch vermeintlich wohltätige Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kaschiert. Unverzichtbarer Bestandteil dieser Methode ist eine wohlfeile internationale Medienpropaganda, siehe BILD-Zeitung, und Social Media Netzwerke wie Facebook, welches damals eigens für diesen Zweck erschaffen wurde.

Das Iran Mission Center des „dunklen Prinzen“

Um die verdeckten Operationen im Iran noch effektiver durchführen und  die Lage im Iran eskalieren zu lassen, hat die Trump-Regierung im letzten Jahr das „Iran Mission Center“ ins Leben gerufen. Zuvor hatte sich Trump im Mai 2017 mit Saudi-Arabien und Israel koordiniert, um den Iran gemeinsam ins Visier zu nehmen: „Die Organisation, die als Iran Mission Center bezeichnet wird, wird CIA-Analysten, Personal und Spezialisten umfassen, um die Fähigkeiten der CIA in dieser Angelegenheit zu unterstützen, einschließlich verdeckte Aktion“, wie die politische Website „The Hill“ berichtete. Verantwortlich für das Center zeichnet CIA-Chef Mike Pompeo, berüchtigter US-Kriegsfalke, Spitzname „Ayatollah-Mike“ oder auch der „dunkle Prinz“.

Die CIA und ihre Mission: Regime Change im Iran


Das Wall Street Journal berichtete im Juni 2017, dass Missionszentrum ein eigenständiges Gebilde ist, das auf der „Iran Operations Division“ der CIA aufgebaut ist, die innerhalb der CIA als Persien-Haus bekannt ist und Analysten und Einsatzkräfte unter ein Dach brachte, um den Iran anzusprechen. Die USA haben jährlich zig Millionen Dollar ausgegeben, um Widerstand gegen die islamische Revolution aufzubauen. Zu den weiteren beteiligten Agenturen gehören die nationale Stiftung für Demokratie, das nationale republikanische Institut, das Freedom House, der Iran-Demokratiefonds der Bush-Ära, dem der Nahost-Fonds für regionale Demokratie in der Obama-Ära folgte, und die US-Agentur für Internationalen Entwicklung.

Das Treffen Trumps mit Israel und Saudi-Arabien hatte allerdings nicht nur die Einrichtung des Iran Mission Centers zur Folge, sondern auch konkrete Mordpläne, wie die israelische Zeitung „Haaretz“ ungewöhnlich offen berichtete. Eines der Abkommen beim Treffen besteht demnach darin, dass die USA grünes Licht für die Ermordung wichtiger iranischer Funktionäre erhalten haben. Sie konzentrierten sich vor allem auf Qassem Soleimani, den Kommandeur der Quds-Truppe, dem Außenarm der iranischen Revolutionsgarde.  Ein israelischer Attentat-Versuch gegen Soleimani wurde während der Obama-Administration gestoppt.

Angesichts solcher Tatsachen wirkt es fast wie ein Hohn, wenn die BILD-Zeitung zu leugnen versucht, dass „ausländische Mächte“ die Proteste im Iran starten. Tatsächlich haben diese Mächte, namentlich die USA und Israel, noch ganz andere Pläne in der Schublade und diese Proteste sind nur die Begleitmusik dazu.  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen