Sonntag, 8. April 2018

Unfassbar gute Propaganda: Die „RAF-Rentner“ und ihre Geldsorgen – ein Trio mit zu wenig Fäusten im staatlichen Auftrag?



Nichts verkauft sich in den Medien besser, als Terror. Ob islamistisch, neonazistisch oder linksextremistisch. Auch wenn Terrorismus eigentlich ein Herrschaftsinstrument ist und nie aus politischen Oppositionsbewegungen kommt: Die RAF war der Medienknüller der 70er und 80er Jahre. Geschaffen von dubiosen Psychopathen, mit Sprengstoff und Waffen ausgestattet von Geheimdiensten. Ihr Ziel: Die außerparlamentarische (linke) Opposition zu kriminalisieren. Beifall für die Attentate gab es kaum, auch nicht von links. Die Morde der „dritten Generation“ blieben bis heute unaufgeklärt und die Nutznießer von Herrhausens oder Rohwedders Tod sind gerade nicht dort zu suchen, wo man uns glauben machen will.

Nach Garweg wurde nie öffentlich gefahndet


Wiederauferstehung bei Aktenzeichen XY

Anfang 2016 ließen die Behörden die RAF als „Rentnergang“ wieder auferstehen – und die Medien zogen begeistert mit, obwohl die etablierten Journalisten bis dahin keinen Schimmer hatten, dass solche Kaliber hinter gewöhnlichen Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter stecken sollen. Auferstehungsort war ausgerechnet die ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“, die sich von Anfang an als mediales Verfolgungsorgan gegen „RAF-Terror“ hervorgetan hatte. Seitdem reißt der Medienhype um die sog. „RAF-Rentner“, das Trio Infernale, nicht mehr ab.

Und auch die Liste der vom „RAF-Trio“ angeblich begangenen Überfälle wird immer länger. Offenbar soll die Gelegenheit genutzt werden, einer „untergetauchten“ und „unfassbaren“ Bande möglichst viele ungeklärte Raubüberfälle zuzuschieben. Allerdings nicht zeitnah, sondern erst viel später im Nachherein. Da bekam das Kind auf einmal einen Namen: „RAF“. Und seitdem fallen Ermittlern und Journalisten seltsamerweise Zusammenhänge von unterschiedlichsten Taten zwischen 1993 und 2016 auf, die vorher niemand bemerkt haben will.

Parallelen zum NSU

Bemerkenswert sind aber die Parallelen zu einem anderen bundesweit bekannt gewordenen Trio, nämlich dem des sog. „NSU“. Auch da soll es sich um drei Mitglieder gehandelt haben und zufälligerweise auch zwei Männer und eine Frau. Offenbar verlangt die Frauenquote, dass auch konstruierte Vereinigungen heutzutage mindestens eine Frau in der Führungsetage haben müssen. Auch die Morde an überwiegend türkischen Kleinunternehmern bekamen erst viel später ihr politisch korrektes Label „NSU“ umgehängt, weil es der Staatsräson viel besser passte, als weiterhin Ermittlungen im kriminellen Milieu zwischen kurdischen Mafiastrukturen, türkischem Geheimdienst und darin verwickelten deutschen Behörden zu führen.

Das konstruierte „NSU“-Trio hinterließ allerdings an keinem einzigen Tatort DNA-Spuren, während die „RAF-Rentner“ angeblich etwas ungeschickter gewesen sein sollen. Beim „RAF-Trio“ mit Geldsorgen soll es sich laut Behörden um Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg handeln. Ob das wirklich so ist, ist mehr als fraglich, denn die Spurenlage ist sehr bescheiden, stammt nur aus Behördenapparaten und wurde erst ab 2016 propagiert. Die Täterbeschreibungen sind auch keinesfalls eindeutig, in Elmshorn 2014 sollen es gar zwei Südländer gewesen sein. Eine Frau war quasi gar nicht dabei, fast immer waren es nur zwei Männer.

Duisburg – ein einmaliger Erfolgsfall

Aber irgendwie muss ja erklärt werden, woher der RAF-Verdacht kommt. Also wurde ein Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf das im Bau befindliche Gefängnis in Weiterstadt 1993 konstruiert und – damit es auch ins neue Bild passt – mit einem millionenschweren Geldtransporter-Überfall in Duisburg 1999. Dabei passt Duisburg vom Kaliber und der Ausführung her nicht wirklich mit den späteren Supermarkt-Räubereien zusammen, denn in Duisburg waren es drei Männer – keine Frau – und zwei Tatfahrzeuge, mit denen der Geldtransporter in die Zange genommen wurde. Zwei Tatfahrzeuge, das gab es nur in Duisburg, danach nicht wieder. Was seltsam ist, denn nur in mit diesem Modus Operandi waren die Täter wirklich erfolgreich.

Weiterstadt: Viel Krawumm, kein Motiv

Der große „Beweis“ der Behörden sind DNA-Spuren, die angeblich an Tatorten gefunden wurden. Das kann stimmen, muss es aber nicht. In Weiterstadt 1993 soll angeblich die DNA von Staub und Klette gefunden worden sein. Merkwürdig nur, dass das erst 2007 publik gemacht wurde. Der Anschlag selbst war technisch und organisatorisch auffallend perfekt inszeniert. Nur mit der politischen Motivation, die eigentlich Grundvoraussetzung für eine Terrortat wäre, haperte es ein wenig. Das „Bekennerschreiben“ war äußerst vage und allgemein gehalten, die Tat soll sich demnach generell dagegen gerichtet haben, dass der Staat Gefängnisse baut. In Anbetracht des hohen Risikos und Aufwandes und der enormen Kosten alleine für den Sprengstoff ein mehr als unplausibles Motiv.

Was Motiv, Täterschaft und das „Auffinden“ von DNA-Spuren außerdem in ein ganz anderes Licht rückt, ist der Umstand, dass der Geheimdienst Verfassungschutz schon vorab von den Anschlagsplänen gewusst haben dürfte, denn dessen Top-V-Mann Klaus Steinmetz war definitiv involviert und sprach auch mit verschiedenen Leuten darüber. Verräterisch ist auch die Aussage der Bundesanwaltschaft, die offenbar die Täter kannte und deckte, denn im Bericht von RP-Online vom 24.10.2007 heißt es:


Die Verdächtigen, deren Aufenthaltsorte bekannt seien, sollen dem Bericht zufolge bis heute unbehelligt geblieben sein. Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft betonte in diesem Zusammenhang, die Behörde habe "alles, was rechtlich möglich ist, getan, um diesen Tätern auf die Spur zu kommen."


Es gab also nie eine Anklage, weil der Schutz von V-Leuten über allem anderen stand. Für den Staat ein guter Deal, denn im Nachherein konnten die Behörden den nebulösen Weiterstadt-Anschlag dazu benutzen, um den Vorwurf zu entkräften, dass die „dritte Generation“ der RAF ein Phantom war und die Anschläge auf das Konto von Geheimdiensten gehen könnten. Im o.a. RP-Bericht heißt es dazu:


Laut "Stern" sollen die Sicherheitsbehörden ihre Erkenntnisse aus ermittlungstaktischen Gründen zurückgehalten und so den Eindruck erweckt haben, bei keinem Attentat der dritten RAF-Generation hätten bislang Täter ermittelt werden können. Dem Bericht zufolge liegt den Fahndern DNA-Material von Tatorten weiterer Anschläge der dritten RAF-Generation vor, die unter anderem für die Morde an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder verantwortlich gemacht wird.


Wie kamen die Behörden zur DNA von Staub und Klette?

Es ist überdeutlich, dass der Staat seine Finger drin hatte bei diesem Anschlag. Dafür spricht auch die Verwendung solcher Mengen an Sprengstoff, der ohne Mitwissen von Militär und Diensten kaum beschaffbar wäre. Dass von Klette und Staub DNA-Spuren „gefunden“ wurden, ist dann kein Wunder. Das gehörte vermutlich zum Plan. Wenn es nicht so wäre, müssten die Behörden offenlegen können, wie sie überhaupt in der Lage gewesen sein sollen, die 1993 gefundenen Spuren zu vergleichen und zuzuordnen? Dazu hätten sie ja zweifelsfreie Originalspuren von Klette und Staub in der Kartei haben müssen, aber woher hätten sie die zu dem Zeitpunkt haben können? Wann und wo mussten Klette und Staub ihre DNA abgeben und aufgrund welches richterlichen Beschlusses? Freiwillig werden böse Terroristen so etwas nicht getan haben, sofern sie nicht für den Staat tätig waren.

Nach Garweg wurde nie öffentlich gefahndet

Wichtig festzuhalten ist die Tatsache, dass von Burkhard Garweg keine Spuren gefunden wurden, auch wenn Garweg neuerdings als Mittäter beim Weiterstadt-Anschlag ins Spiel gebracht wird (siehe WELT v. 05.01.2017), um die heutige Version vom „RAF-Trio“ glaubhafter zu machen. Auf dem BKA-Fahndungsplakat von 1993 stehen nur Klette und Staub. Nach Garweg wurde nie öffentlich gefahndet, er ist ein völlig unbeschriebenes Blatt. Bekannt ist über Garweg lediglich, dass er sich Mitte bis Ende der 80er Jahre in Hamburg der sog. Hafenstraßen-Szene angeschlossen hatte. Da lag auch nahe, denn die Garwegs wohnten auf dem Kiez, wo sich Vater Gerhard Garweg nach seiner Zeit als Anatomie-Professor an der Hamburger Uni 1982 mit einer Hausarztpraxis selbstständig machte.

Eine ehemalige Mitschülerin, die Pakistani Sarah Kahn, berichtete bereits 2007 in der Süddeutschen Zeitung darüber, dass sie Burkhard Garweg von einer Jugendgruppe kenne, die um 1987 herum ein linkes Schülermagazin namens „Clinch“ gemacht habe. Khan selbst hatte damals offenbar linke Tendenzen, sie sich aber nicht verfestigten. Der Sohnemann dürfte seine Tendenzen vom Vater „geerbt“ haben, denn Prof. Dr. Garweg fungiert heute noch als Ehrenvorsitzender in der kommunistischen Kurdistanhilfe e.V. zusammen mit dem bekannten Hamburger Linksextremisten Jan von Aken (Die Linke) als Chef des Vereins. Terrorvorwürfe gegen gewisse Vereinigungen beeindrucken Garweg nicht sonderlich, so rief der Professor 2013 auch schon öffentlich zur Aufhebung des PKK-Verbots auf.

Untergetaucht, aber Kneipenbummel auf dem Kiez

Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm, aber Burkhard Garwegs Spur verliert sich schon Anfang der 1990er Jahre oder wie es im Behördenjargon heißt: Er sei „untergetaucht“. Das kann alles und nichts heißen, deutet aber zumindest darauf hin, dass die Behörden mit dieser Person noch irgendwas vorhaben. Mit oder ohne Wissen des Betroffenen. Sarah Kahn will Burkhard Garweg allerdings dennoch wiedergesehen haben. In ihren demonstrativ verbreiteten Erinnerungen schreibt die für etablierte Medien tätige Schriftstellerin:


„Als ich ihn etwa Mitte der neunziger Jahre in einer Kneipe alleine an einem Tresen sitzen sah, die Polizeidienststelle Davidswache nur einen Steinwurf entfernt, die mittlerweile befriedeten, renovierten Häuser der ehemals besetzten Hafenstraße ebenfalls, sprach ich ihn nicht an.“


Eigentlich wäre es das Normalste der Welt gewesen, einen alten Bekannten anzusprechen. Aber Khan will genau das nicht getan haben, obwohl sie damals doch gar nicht wissen konnte, was mit ihm los sein soll, denn er war ja ein unbeschriebenes Blatt zu der Zeit. Die Tatsache, dass Burkhard Garweg ausgerechnet auf seinem alten Kiez in einer Kneipe hockt, wo ihn zu der Zeit sicher noch viele Hafenstraßen-Genossen hätten (er)kennen können, spricht jedenfalls eindeutig gegen die Theorie eines wirklichen „Untertauchens“. Wenn es denn überhaupt eines geben sollte, dann wäre das eher ein Beispiel für ein „betreutes“ Untertauchen nach Analogie des „NSU-Trios“.

Der Zusammenhang zwischen Garweg, Klette und Staub konstruiert sich hauptsächlich aus dem Umstand, dass sich alle drei Ende der 80er Jahre in der Hafenstraße aufgehalten haben sollen. Die Hamburger Hafenstraße war damals ein Anziehungspunkt für Linke aus ganz Deutschland, das Umfeld war entsprechend groß und vielschichtig. Es war ein szenetypisches Kommen und Gehen, viele waren immer wieder mal eine Zeitlang dort, hockten zusammen und organisierten irgendwelche Dinge, ohne dass sich daraus weiterführende Strukturen über das Phänomen Hafenstraße hinaus entwickelt hätten. Man kennt sich, man sieht sich, man demonstriert zusammen, aber danach läuft man auch wieder auseinander. Mit dem, was die RAF getan hat, hatte all das nichts zu tun und insbesondere bei Garweg gab es auch nichts die allergeringsten Anhaltspunkte in eine solche Richtung.

1998: BKA legt die Fährte zur „vierten Generation“

Erst viel später, als die „Dritte Generation“ bereits durch umfangreiche Recherchen investigativer Journalisten als Geheimdienst-Phantom ins Gerede kam, fing das BKA auf einmal  damit an, Burkhard Garweg namentlich zu nennen. Das BKA hatte die vieldeutige „Abschlußerklärung“ der RAF von 1998 „analysiert“ oder besser gesagt: Die erste Fährte zu einer „Vierten Generation“ gelegt. In einem Bericht der linken Wochenzeitung „Jungle World“ von 1998 heißt es:


„Wer also tatsächlich in der RAF organisiert war, vor allem aber, wer welche Rolle spielte, entzieht sich nach eigenen Angaben der Kenntnis der Sicherheitsbehörden. " Hinsichtlich der mit Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen RAF-Angehörigen Sabine-Elke Callsen, Andrea Klump, Barbara Meyer, Horst Ludwig Meyer", schreibt die Kölner Behörde nach Aussage der Süddeutschen Zeitung, hätten sich "Zweifel an der tatsächlichen Zugehörigkeit zum Kreis der Illegalen ergeben". Es sei durchaus denkbar, daß die Gruppe zuletzt nur noch aus dem Ende der achtziger Jahre abgetauchten ehemaligen Hamburger Ernst Volker Staub, der früheren Wiesbadenerin Daniela Klette sowie Burkhard Garweg, nach dem bislang nie öffentlich gefahndet wurde, besteht. Aber auch das sei nicht sicher, heißt es in dem 38seitigen Schreiben, in dem insbesondere das Schlußkommuniqué der Gruppe vom April analysiert wird.“


Nichts war sicher, aber der Grundverdacht über das heutige „RAF-Trio“ war vom BKA ganz raffiniert in die Welt gesetzt worden. Das läßt dann jede Menge Spielraum für alle denkbaren oder auch undenkbaren Varianten einer Fortsetzungsreihe zu einem beliebigen Zeitpunkt, denn der Staat braucht nun mal immer irgendeinen „Terrorismus“, um sich selbst als Garant für die Sicherheit seiner Bürger aufspielen und seine Allmacht weiter ausbauen zu können.

Stuhr 2015: Hollywoodreif, aber verdächtig unfähig

Zum Tatzeitpunkt war von RAF keine Rede


Im Juni 2015 ahnte niemand etwas davon, dass der hollywoodreife Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr bei Bremen etwas mit ehemaligen RAF-Leuten zu tun haben soll. Und doch diente dieser Überfall als Anlass für den Beginn der RAF-Propaganda bei „Aktenzeichen XY“ ein halbes Jahr später im Januar 2016. Kurz nach der Tat war in den Medienberichten (siehe NOZ-Artikel) noch keine Silbe von RAF, Staub, Klette oder Garweg zu lesen. Es wäre auch kaum logisch erklärbar, warum altgediente Terror-Veteranen, die in Weiterstadt einen technisch perfekten Sprengstoffanschlag verüben, sich bei einem Geldtransporter-Überfall auf dem Dorf derart unfähig anstellen sollen. Schon gar nicht, wo sie doch die Jahre vorher immer einfache, leichte Beute gemacht haben. Aber in Stuhr war der Ablauf auch ganz anders und es waren drei Männer beteiligt, jedoch keine Frau. Das filmreife Geschehen wirkte jedoch im Nachhinein ein wenig inszeniert. War es das vielleicht auch, um die RAF wieder in die Medien bringen zu können? Wie in Stuhr DNA-Spuren von Garweg gefunden und zugeordnet werden konnten, obwohl Garweg vorher nie auffällig war, bleibt das Geheimnis der Behörden.

Von RAF keine Rede, aber wie war das mit dem Fluchtfahrzeug?


Wie zur Bestätigung folgten dem „Aktenzeichen XY“-Wirbel ein weitere Überfalle, nämlich im Mai in Hildesheim und im Juni 2016 in Cremlingen bei Hannover. In Hildesheim waren es dann wie in Stuhr wieder drei Männer, jedoch keine Frau, wie die Polizei laut Hildesheimer Zeitung vom 07.05.2016 sagte. Aber auch das ist fraglich, denn verübt wurde der Überfall nur von zwei Männern, der dritte soll das Fluchtfahrzeug gefahren sein. Das erwies sich jedoch als falsche Fährte, denn die drei Männer, die mit dem vermeintlichen Fluchtfahrzeug nach einer Verfolgungsjagd gestoppt wurden, sollen laut Polizei doch nichts mit der Tat zu tun haben. Oder musste die Polizei sie auf Anweisung laufen lassen?

Cremlingen 2016: Werden die Täter behördlich gedeckt?

Vielleicht, damit es einen Monat später einen weiteren „RAF“-Überfall in Cremlingen geben konnte? Der jedoch war noch mehr Fragen auf und konkretisierte den Verdacht, dass die unbekannten Täter möglicherweise staatlich gedeckt werden. Auf SPIEGEL-Online vom 17. Juli 2016 hieß es:


Obwohl ein Polizeibeamter zufällig privat am Tatort in Cremlingen war und der Zentrale eine genaue Beschreibung der Täter und des Fluchtfahrzeugs durchgab, unterblieb eine "Ringalarmfahndung".

Bis kurz vor dem Überfall war sogar ein Observationsteam am späteren Tatort eingesetzt, nachdem sich ein Zeuge gemeldet hatte. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen hatte dieser offenbar Staub beobachtet, wie er den Parkplatz auskundschaftete. Zu der unterbliebenen Ringalarmfahndung wollte der zuständige Braunschweiger Polizeichef sich nicht äußern.


War der Polizeibeamte wirklich nur zufällig vor Ort? Und warum wurde das Observationsteam abgezogen kurz bevor es losging? Eine Ringalarmfahndung ist normalerweise eine Standardmaßnahme in einem solchen Fall, doch genau diese unterblieb. Mit „Behördenversagen“ lässt sich das nicht erklären, hier müssen Anweisungen von oben erfolgt sein, damit eine Maßnahme unterbleibt, auf die sonst selbst ein Polizeischüler sofort gekommen wäre.

Von Celle bis Hildesheim: Nichts passt zusammen

Nun gab es kein Halten mehr: Der Hype um das RAF-Rentnertrio nahm seinen Lauf und die Behörden meinten plötzlich ein Schema entdeckt zu haben, dass auf viele andere Überfälle auch passen würde. Ganz nach dem Motto: Je länger die Liste wird, desto mehr bleibt am Ende hängen. Die gealterte „RAF“ von heute ist eben nicht mehr politisch, sondern nur noch kriminell. Die „Untergetauchten“ brauchen Kohle, ist doch logo. Das Problem ist nur: Es passt alles nicht so richtig zusammen. Das fängt schon mit Duisburg 1999 an, wo das BKA übrigens auch erst zwei Jahre später einen RAF-Verdacht anhand eines Haares konstruierte, welches Ernst-Volker Staub in seinem weggeworfenen Motorradhelm hinterlassen haben soll. Das Schema war wie gesagt ganz anders, als jemals danach. Und es war eine große Nummer, im Gegensatz zu dem Kleckerkram ab 2011:

30.09.2011 in Celle (Real-Markt), Beute 80.000,00 € bis 100.000,00 €
Täter: Nur zwei Männer, keine Frau, nur ein Fahrzeug. Phantombild passt nur vage. Spuren: keine. Einen „RAF“-Verdacht hegte damals niemand, siehe Pressebericht in Celleheute.

24.12.2012 in Stade (Marktkauf), Beute 135.000,00 €
Täter: Wieder nur zwei Männer, keine Frau, nur ein Fahrzeug. Spuren: keine. Von „RAF“ war damals nicht die Rede, siehe Presseberichte Kreiszeitung und Hamburger Morgenpost.

23.08.2014 in Elmshorn (Marktkauf), Beute 46.000,00 €
Täter: Wieder nur zwei Männer, keine Frau, nur ein Fahrzeug. Laut SHZ-Bericht hatten die Täter eine „südländische Erscheinung“, mit RAF-Leuten sicher nicht zu verwechseln!

In Elmshorn waren die Täter offensichtlich Südländer!


02.01.2015 in Osnabrück (Kaufland), Beute 60.000,00 €
Täter: Wieder nur zwei Männer, keine Frau, nur ein Fahrzeug. Spuren: keine. Auch hier war damals von RAF, Staub, Klette oder Garweg keine Rede.

19.10.2015 in Northeim (Marktkauf), Beute 50.255,00 €
Obwohl dieser Überfall zeitlich erst nach dem „Aktenzeichen XY-Überfall“ in Stuhr geschah, war damals immer noch keine Rede von RAF, man tappte komplett im Dunkeln, siehe HNA-Bericht. Anders als in Stuhr waren es auch hier wieder nur zwei Männer, immer noch keine Frau und nur ein Fahrzeug.

07.05.2016 in Hildesheim (Rewe-Markt), kein Geld erbeutet
Täter: Zwei Männer, wieder keine Frau, wieder nur ein Fahrzeug, dass auch verfolgt wurde, aber dann angeblich doch nicht das Fluchtfahrzeug gewesen sei.

Wo bleibt Klette?

Der Überfall von Cremlingen ist mittlerweile fast zwei Jahre her. Dennoch spekulieren die Medien geradezu hellseherisch darüber, dass bald schon weitere Überfälle der „RAF-Rentner“ geschehen könnten. Der Hype muss schließlich weitergehen. Eine Frage wird dabei weiterhin vernachlässigt: Wo war Klette bei all diesen Überfällen? Die Täter waren immer Männer – sitzt die olle Klette nur zu Hause und macht den Kassensturz?

An ihrer Person wird besonders deutlich, wie phantomhaft die ganze Sache ist. Vielleicht tauchte deshalb plötzlich eine dubiose Website mit dem seltsamen Namen „telavivpress“ auf, die „beweisen“ sollte, dass Klette noch lebt und dass sie genau so ist, wie die Behörden sie haben wollen: Auf der Website gibt sich die „unfassbare“ Klette nämlich medienwirksam als RAF-Mitglied zu erkennen.  Demonstrativ wird dabei das Original RAF-Logos von damals benutzt. Die Aufmachung des Blogs ist allerdings dermaßen plump und unausgegoren, dass das Ganze leicht als Fälschung zu erkennen ist. Offenbar ist hier irgendjemand auffallend darum bemüht, die staatliche Version, nach der Klette eine RAF-Terroristin gewesen sein soll, zu unterstützen.

Ein wirklich untergetauchter Terrorist würde das sicher nicht tun und schon gar nicht im peinlichen Duett mit einem namentlich völlig unbekannten Knaben namens Raymund Martini, der sich als aktueller Chef der „RAF“ ausgibt. Um die eigene „Echtheit“ zu belegen, bemüht die Website ausgerechnet Behördenaktivitäten. So heißt es auf dem Blog: „* besondere Hinweise : Durch Wirken von BKA LKA BfV und anderen ist diese Website als “echt“ eingestuft und wird nachweislich beobachtet.“ . Da hat wohl jemand Ursache und Wirkung verwechselt und will uns alle für dumm verkaufen. Ja, die Website ist echt im Sinne von existent, aber das war`s dann auch schon.

Ob dritte, vierte, fünfte oder was-weiß-ich-wievielte Generation: Die RAF bleibt ein Phantom. Tatsächlich haben wir es hier mit ganz anderen Kräften zu tun, deren Aufgabe damals wie heute darin besteht, politische Oppositionen zu diffamieren und zu kriminalisieren. Dabei handelt es sich um nichts anderes als einen staatlichen Auftrag, denn nur dem Staat alleine nützen die kriminellen Umtriebe angeblicher RAF- oder NSU-Terroristen unter dem Deckmantel von Verfassungsschutz, BND und BKA. Und darum passt es auch haargenau ins Bild, dass Beifall und Solidaritätsbekundung für vermeintliche RAF-Leute von der „Antifa“ kommt, die ebenfalls im Staatsauftrag überall dort mit Terror in Erscheinung tritt, wo sich politische Oppositionen gegen den Staat bilden könnten.

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