Mittwoch, 8. November 2017

Großinvestor Kühne erpresst mit Hilfe der Medien den Bundesligisten HSV – Zukunft oder Abgesang des Fußballs?



Wer sich bei den falschen Leuten Geld leiht, muss damit rechnen, dass er irgendwann erschossen auf der Straße liegt. Das gilt im übertragenen Sinne auch für Fußballvereine der höchsten deutschen Spielklassen, die sich längst als Spekulationsobjekte im Visier globaler Investoren befinden. Böse Zungen sprechen auch von einer globalen Sportbusiness-Mafia, die seit den 1990er Jahren eine gezielte Kommerzialisierung des Profifußballs vorantreibt, um fette Profite damit zu machen. In der Regel handelt es sich um global agierende Konglomerate, arabische Scheichtümer oder chinesische Staatskonzerne. Aber auch einzelne Superreiche „gönnen“ sich nebenbei einen Fußballclub als Humankapital und persönliches Aushängeschild.

Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Bundesliga

Problematisch ist das vor allem für traditionelle Vereine, die bei ausbleibendem sportlichen Erfolg aus der neuen Zwei-Klassen-Gesellschaft der Sportmafia ausscheiden und sich dann kaum mehr eine erfolgsorientierte Teilnahme an der nationalen Bundesliga leisten können. Durch Korruption auf höchsten Funktionärsebenen und mit Hilfe der Politik wurde die Fußballbundesliga in einen Konzern umgewandelt sowie eine ganz neue Europaliga geschaffen, die es früher so nicht gab. Mehr Ligen, mehr Profit. Finanziell gut dastehen können seitdem nur noch jene Vereine, die sich regelmäßig für die Teilnahme an den europäischen Superligen, vor allem an der „Championsleague“, qualifizieren. Man kann das mit dem künstlichen Konstrukt der EU vergleichen, welches den Völkern Europas – ebenfalls ohne zu Fragen – einfach als übernationales Herrschaftsinstrument übergestülpt wurde.

Drohungen des Großinvestors mit Hilfe der Medien


Kühnes Geschäftsmodell: Schuldenerlass gegen Anteile

Der Hamburger SV gehört leider zu den Kellerkindern dieser neuen Zwei-Klassen-Gesellschaft. Der sportliche Erfolg blieb zu lange aus, die Ursachen dafür sind vereinsinterne Misswirtschaft und eine lange Kette zahlreicher, teurer Fehlentscheidungen. Auf jeden Fall fehlt dem Verein das Geld an allen Ecken und Enden. Als Privatmann würde man in dieser Lage wohl bei keiner seriösen Bank mehr Kredite erhalten und müsste sich bei irgendwelchen Dunkelmännern zu Wucherzinsen das Geld leihen. Im Profifußball ist das kaum anders, es klingt nur seriöser, wenn dort von Mäzen, Gönnern oder Investoren gesprochen wird. Sicherlich war der HSV erst einmal dankbar, dass ausgerechnet der erfolgreichste deutsche Spediteur Klaus-Michael Kühne sein Herz für den Verein (wieder?) entdeckte und munter seine Millionen fließen ließ.

Ab 2010 sind Investitionstätigkeiten von Kühne öffentlich nachvollziehbar. Ob er schon zu früheren Zeitpunkten Geld investierte, kann hier nicht gesagt werden. Kühnes Geschäftsmodell: Dem Verein Geld leihen, wohlwissend dass die Chance auf Rückzahlungen eher gering ist, und dann die Schulden in Besitzanteile umwandeln. Zunächst waren es „lebende“ Anteile in Form von Transferrechten an Spielern, später nach Ausgliederung der Profifußballabteilung dann Besitzanteile an der HSV Fußball AG. Das Verhältnis ist dabei ähnlich wie zwischen Dealer und Junkie. Über 100 Millionen hat Kühne schon in den abhängigen Verein „hineingepumpt“ und sich auf diese Weise mittlerweile schon über 20 Prozent der AG-Anteile unter den Nagel gerissen.

Hört sich böse an, wo es doch immer heißt, dass Herr Kühne ein Herz für den HSV hätte und doch nur Gutes für den Verein tun möchte. Aber wie glaubhaft ist das angesichts seiner immer neuen Drohungen und Forderungen? 

Auch BILD hilft Kühne gerne mit großen Schlagzeilen


Erpressung mit Hilfe der Medien

Auch ganz aktuell geistern wieder Schlagzeilen durch die Medien: „Investor Kühne droht dem HSV. Dreht er den Geldhahn zu?“ (Quelle: t-online, 07.11.2017). „Kühne droht mit Rückzug“ (Quelle: BILD, 07.11.2017). Tatsächlich verfolgt Kühne ein klares Konzept der schrittweisen Einflussnahme und Inbesitznahme, anders kann man seine neuesten Äußerungen kaum deuten. Er wolle dem HSV nur dann weiterhin finanzielle Unterstützung gewähren, "wenn sie auch über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt und es diesem gelingt, Persönlichkeiten für die Führung der HSV Fußball AG zu gewinnen, die über große Managementqualität und -erfahrung verfügen." (Quelle: t-online, ebenda).  Auf NDR 90,3 hieß es, dass Kühne diese Forderung als „HSVPlus 2“ bezeichnen würde, eine Anspielung auf das „HSVPlus“-Konzept, dass 2014 zur von Kühne gewünschten Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG führte.

Wenn Kühne weiß, dass der Verein mangels anderer Großinvestoren auf seine Kredite angewiesen ist, dann kann man seine Forderung durchaus als glatte Erpressung ansehen. Offenbar versucht Kühne über seinen finanziellen Einfluss die Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu diktieren und da sind ihm gewisse Leute scheinbar ein Dorn im Auge, weil sie möglicherweise nicht so sehr nach seiner Pfeife tanzen würden, wie z.B. sein Adlatus Gernandt. Herrn Kühne scheint es egal zu sein, dass er mit solchen öffentlichen Mätzchen eine völlig unnötige Schmutzkampagne gegen den HSV lostritt und einen Imageschaden anrichtet. Und zwar zum wiederholten Male. Das spricht allerdings auch dafür, dass sein interner Einfluss nicht so groß zu sein scheint, wie manche es befürchten. Noch nicht zumindest.

Schleichende Übernahme trotz 50+1

Trotzdem droht dem HSV eine schrittweise Enteignung durch Investoren wie Herrn Kühne, deren wirkliche Absichten alles andere als klar sind. Kühnes Vorgehen und sein auffälliger öffentlicher Einsatz für den Wegfall der „50+1-Regel“ sprechen nicht wirklich für Vereinsliebe, sondern eher für eine clevere Geschäftsstrategie nach dem „Griechenland-Prinzip“: Immer mehr Kredite bedeuten immer mehr Einfluss und irgendwann gehört einem der Laden. Vielleicht würden heute, drei Jahre nach der Ausgliederung, nicht mehr so viele Vereinsmitglieder „Hunke raus, Hunke raus“ rufen, denn der Mann hatte recht. Eine Fraktion um den damaligen Aufsichtsrat hatte „HSVPlus“ zu verhindern versucht, denn das wäre „fast wie eine Beerdigung“, wie Hunke zu Recht sagte (Quelle: WELT). Seine Sorge, dass Hegdefonds oder andere „Heuschrecken“ die Fußball AG übernehmen könnten, erfüllt sich schleichend Stück für Stück.

Auch wenn die „50+1“-Regel in nächster Zeit noch nicht fallen sollte, könnten Vereine wie der HSV trotzdem bald unter den Hammer kommen, wie das Modell RB Leipzig zeigt. Denn die Regel, die deutsche Vereine derzeit noch vor dem totalen Ausverkauf zu schützen scheint, verbietet entgegen landläufiger Meinung eben nicht, dass Investoren die Mehrheit an einer Spielbetriebs-GmbH besitzen dürfen (Quelle: Bericht auf mz-web). Unter dem wachsenden Druck der Geldsorgen können interne Regelungen, nach denen z.B. bei der HSV Fußball AG maximal 24,9 % der Anteile veräußert werden dürfen, schneller fallen als man denkt. Für alle, die schon mit Begeisterung der verhängnisvollen Ausgliederung in einen AG-Konzern zugestimmt hatten, wäre es nur der nächste logische Schritt.

Dabei sieht selbst der damalige Ausgliederungsinitiator Ernst-Otto Rieckhoff mittlerweile ein, dass das Konzept „HSVPlus“ gescheitert ist und den HSV noch tiefer in die Schuldenfalle geführt hat. Was Rieckhoff laut Abendblatt-Bericht besonders störte war, dass sich die HSV-Verantwortlichen selbst in die Zwangslage versetzt hätten, "zum falschen Zeitpunkt und zu einem völlig inakzeptablen Kurs eine Umwandlung von Darlehen in Eigenkapital vornehmen zu müssen. Ein solcher Schritt war ausschließlich zur unverzichtbaren Entschuldung geschaffen worden, nicht zur weiteren Verschuldung mit damit verbundener Zwangsumwandlung."

Entscheidungen werden bei Kühne + Nagel getroffen

Ähnlich bewerten das auch organisierte HSV-Anhänger von der Nordtribüne in ihrer Bestandsaufnahme vom Januar dieses Jahres:

Hinsichtlich der Finanzen war das oberste Ziel der Schuldenabbau. Dies sollte auch unter Einbindung „strategischer Partner“, die Vereinsanteile erwerben, geschehen, wobei der HSV „das Sagen behalten“ sollte und mehrere Partner eingebunden werden sollten. Der Schuldenabbau hat nicht stattgefunden, stattdessen gab es jedes Jahr ein sattes Transferminus, allein diese Saison in Höhe von über 30 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten waren auf rund 100 Millionen Euro gestiegen, wobei bis auf verbleibende 10% die verfügbaren Vereinsanteile schon verkauft worden bzw. gegen den Erlass von Darlehen getauscht worden sind.

Trotz totaler kommerzieller Ausbeutung könnte sich der HSV nach Einschätzung der Fans nicht einmal durch eine Europaleague-Teilnahme aus der erdrückenden „Vereinsliebe“ des Herr Kühne befreien, denn dann würden sich die Verbindlichkeiten um weitere „38 Millionen zuzüglich diverser Prämien für Kühne erhöhen. Eine Summe, die zumindest in der Europaleague nicht zu erwirtschaften ist“. Großinvestor Kühne wird also wohl auch weiterhin Vereinsanteile gegen Schuldenerlass erhalten. Das Versprechen der Ausgliederungsinitiatoren, dass der HSV Herr im eigenen Hause bleibt, sehen die Fans als gebrochen an, denn es sei festzustellen, „dass alle wichtigen Entscheidungen nicht im Volkspark getroffen werden, sondern in der Zentrale von Kühne + Nagel“.

Der Verein bleibt also erpressbar hoch Drei – darüber kann auch der von Kühne aus taktischen Gründen befristet zurück gekaufte Stadionname „Volksparkstadion“ nicht hinwegtäuschen. Vielmehr zeigt auch der Irrsinn mit den perfide kommerzialisierten Stadionnamen, die mittlerweile allerorten die Namen von Konzernen tragen und somit einen wichtigen Teil unserer Fußballkultur ausgelöscht haben, dass etwas grundsätzlich falsch läuft im deutschen Profifußball. Leute wie Kühne oder auch Martin Kind, der Hannover 96 zu seinem ganz persönlichen Konzern machen will, sorgen dafür, dass die falsche Entwicklung weitergeht. Gemeinsam trafen sich die beiden unlängst unter großem Mediengetöse (Quelle: Abendblatt), um ihre Propaganda gegen die 50+1-Regel zu intensivieren.

Totale Ausbeutung Dank EU-Gesetzen?

Es steht zu befürchten, dass der ohnehin schon von gewissenlosen DFB/DFL-Funktionären ausgehöhlte 50+1-Schutz unserer Vereine bald von der EU endgültig zerschossen wird. Die Brüsseler Diktatoren haben schon vor langer Zeit die passenden „Wettbewerbsgesetze“ geschaffen, mit denen EU-weit alles (dem Erdboden) gleich gemacht werden kann ohne Rücksicht auf gewachsene Traditionen und Kulturen. Das klappt natürlich nur, weil die Vereine mittlerweile als Unternehmen agieren und deshalb auch wie Unternehmen behandelt werden. Die Wurzel des Übels ist also die Umwandlung, das Ausgliedern in GmbHs oder AGs. Dazu wurden die Vereine regelrecht getrieben, dahinter stecken gerissene Agenturen und Lobbyisten, die das Fußballgeschäft in Nachbarländern wie England oder Frankreich bereits bis zur Perfektion pervertiert haben. Der Nährboden für deren Agenten, pardon „Beratungs“tätigkeit ist überall gleich: Schuldenberge und / oder Größenwahn.

Raus aus der Schuldenfalle

Bundesligavereine wie der HSV oder Hannover 96 müssen sich dieser kriminellen „Geschäftsmodelle“ und Großinvestoren entledigen, ehe es zu spät ist. Wer Schulden hat, muss einen Schnitt machen, sein Leben neu ordnen und wieder klein anfangen. Damit wird man seine Schulden los. Sich aber auf Großinvestoren und dahinterstehende Konzerne einzulassen, macht den Schuldenberg immer größer bis man gar nicht mehr aus dieser Abwärtsspirale herauskommt. Da helfen irgendwann auch sportliche Spitzenleistungen nicht mehr, wie wir an den Handballern des HSV gesehen haben. Die gingen Konkurs, obwohl sie sportlich immer ganz oben waren.

Eine ketzerische Frage zum Schluss: Woher wissen wir eigentlich, ob Herr Kühne wirklich nur auf eigene Faust handelt oder ob da noch ganz andere Interessen und Lobbyisten hinter seiner Strategie stehen?

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