Mittwoch, 21. Juni 2017

War der US-Student Otto Warmbier in eine staatliche Provokation verwickelt?



Der 22-jährige US-Student Otto Warmbier ist am 19. Juni 2017 seinen schweren Gehirnverletzungen erlegen. Einige Tage zuvor durfte er nach 18 Monaten Haft aus Nordkorea ausreisen, wo er wegen „feindlicher Aktivitäten“ verurteilt und ins Gefängnis gesteckt worden war. 

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Die nordkoreanische Regierung hatte den Verurteilten aus humanitären Gründen ausreisen lassen, weil sich der Gesundheitszustand Warmbiers in der Haft stark verschlechtert hatte. US-Ärzte fanden jedoch keine Ursache für seine schweren Gehirnverletzungen, auch keine Hinweise auf Folter. Nordkoreanische Mediziner gingen davon aus, dass Warmbier aufgrund einer Nahrungsmittelvergiftung und Schlaftabletten ins Koma fiel.

Unklar ist jedoch nicht nur die Todesursache, sondern der ganze Fall an sich. Was tatsächlich zur Festnahme und Verurteilung Warmbiers in Nordkorea geführt hat, ist entgegen anders lautenden Medienberichten bis heute nicht wirklich geklärt. Die offizielle Version lautet: Warmbier habe während seines Aufenthaltes im Yanggakdo Hotel in Pyongyang versucht, ein politisches Banner zu stehlen und es als „Trophäe“ in die USA zu verbringen. Um welches Banner es genau geht, ist nicht ersichtlich, aber es soll inhaltlich „die Liebe des nordkoreanischen Volkes zu seinem System“ propagieren. Ein politisches Symbol also. Das höchste Gericht in Nordkorea wertete den versuchten Diebstahl als „staatsfeindlichen Akt“ und verhängte 15 Jahre Haft mit Zwangsarbeit.

Die Tat ist bislang nur belegt durch die Behauptungen der nordkoreanischen Justiz und das „Geständnis“ des Verurteilten selbst. Das „Geständnis“ an sich wurde mit großer Wahrscheinlichkeit erpresst. Dafür spricht die „Pressekonferenz“ n Nordkorea im Februar 2016, auf der Otto Warmbier sich selbst tränenreich eines „schweren Verbrechens“ beschuldigte. Es war ganz offenkundig eine Inszenierung aus propagandistischen Gründen, um dem nordkoreanischen Volk vor laufenden Kameras einen US-Amerikaner als „Verbrecher“ und Provokateur vorführen zu können und die USA zu demütigen.

Das „Geständnis“ an sich wurde Warmbier quasi in den Mund gelegt. Als Wirtschaftswissenschaftsstudent einer US-amerikanischen Elite-Uni dürfte Warmbier den Ernst der Lage erkannt haben und sich darüber im Klaren gewesen sein, dass es besser für ihn ist, wenn er bei dieser öffentlichen Anprangerung mitspielt. Seltsam ist jedoch, wie ausführlich Warmbier mitspielte. Er offenbarte Details, die sich die Nordkoreaner kaum alleine hätten ausdenken können.

Um den CIA bei Warmbiers „Geständnis“ ins Spiel zu bringen, hätten die nordkoreanischen Staatsbeamte sicher nicht viel Phantasie gebraucht. Aber die Details, die Warmbier dann preisgab, die hätten die Nordkoreaner ohne seine Hilfe kaum konstruieren können. Sofern es konstruiert war. In seiner verzweifelten Lage wäre es nur zu menschlich gewesen, wenn Warmbier sich hilflos, von seinen „Einflüsterern“ allein gelassen und verraten gefühlt hätte. In so einer ungewöhnlichen Situation redet man sich vieles von der Seele. Wäre es sonst nicht viel einfacher gewesen, wenn er „gestanden“ hätte, dass er die ganze Aktion allein geplant hat und niemand sonst davon wusste?

Otto Warmbier war zum Zeitpunkt seiner Nordkorea-Reise 21 Jahre alt. Ein „dummer Junge“ war er allerdings sicher nicht mehr. Immerhin schaffte er drei Jahre zuvor, im Herbst 2013, die äußerst schwere Zulassung zu einer der berühmtesten Elite-Universitäten der USA, der Universität von Virginia (U-Va). Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften und leitete einen von Studenten der McIntire-School geführten Alternativen Investment Fund. Die Universität von Virginia wurde auf Betreiben des ersten US-Präsidenten Jefferson gegründet und brachte bereits mehrere weitere US-Präsidenten hervor, außerdem zahlreiche Gouverneure, Senatoren und andere hohe Funktionäre in US-Regierungen. An einer solchen Uni, wo die ökonomisch-politischen Machteliten des Landes rekrutiert werden, studieren nur Leute, die genau wissen, was sie tun.

Das wusste auch Warmbier, als er sich einer 5-tägigen Reise nach Nordkorea anschloss, die seine Wirtschaftsklasse über das Reisebüro Young Pioneers gebucht hatte. Die Reisegruppe saß schon fast wieder im Flieger nach Hause, als Warmbier plötzlich aus der Flughafen-Sicherheitszone von nordkoreanischen Beamten herausgezogen wurde. Sein Mitreisender Danny Gratton sagte später der Washington Post, dass Warmbier nicht wirklich überrascht wirkte und sogar halbwegs lächelte, als er abgeführt wurde. Eine seltsame Reaktion auf eine plötzliche Festnahme, die sich eigentlich nur damit erklären lässt, dass Warmbier schon damit gerechnet haben muss, das doch noch etwas passieren würde.

Doch was war eigentlich passiert? Hatte Warmbier in seiner Not eine Tat „gestanden“, die gar nicht stattgefunden hat? Oder hat er die Tat begangen und dabei mehr „gestanden“, als nötig gewesen wäre?

Obwohl Warmbier den versuchten Diebstahl in der 5. Etage des Hotels „gestand“, stritt er gleichzeitig ab, die Idee zu dieser Aktion gehabt zu haben. Nach eigener Aussage hatte er gleich mehrere „Einflüsterer“ aus unterschiedlichen Kreisen, was seine Darstellung trotz der Umstände, unter denen er sie preisgab, durchaus glaubhaft erscheinen lässt. Ganz ohne Not belastete er Mitglieder einer kleinen, scheinbar unbedeutenden Sekte aus Wyoming, nämlich der „Friendship United Methodist Church“. Warmbier selber soll jedoch kein Mitglied der Sekte gewesen sein. Aus dieser Sekte haben demnach mindestens zwei Personen Warmbier dazu angestiftet, bei seiner Nordkorea-Reise in dem besagten Hotel ein Propaganda-Banner zu stehlen.

Laut Washington Post vom 29.02.2016 erzählte Warmbier, dass er von einem „weiblichen Mitglied“ der Sekte „instruiert“ worden war, „eines der wichtigsten Propagandasymbole Nordkoreas“ zu stehlen und als „Trophäe“ in die USA mitzubringen. Ein anderes Mitglied der Sekte soll ihm versprochen haben, ihm einen Gebrauchtwagen im Wert von 10.000 US-Dollar zu schenken, wenn er den Diebstahl begeht. Seine Mutter sollte überdies 200.000 US-Dollar erhalten, wenn es zum Prozess kommt und Warmbier verhaftet wird. Das Geld sollte aber nur ausgezahlt werden, wenn die Beteiligung der Sekte nicht namentlich erwähnt würde.

Nach Warmbiers Aussage sei seine Familie in „finanziellen Schwierigkeiten“ und er habe das Angebot der Sekte als „einzige goldene Gelegenheit“ angesehen, das Geld für seine Familie zu verdienen. Warum seine Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckte und er keine andere Möglichkeit sah, seiner Familie dabei zu helfen, bleibt bis auf weiteres unaufgeklärt. Fakt ist aber, dass die Sache mit der Methodistensekte zu speziell klingt, als dass irgendwelche nordkoreanischen Beamte sich so etwas aus der Ferne hätten aus den Fingern saugen können.

Es gab jedoch noch weitere Anstifter, die Warmbier nach eigener Aussage zu seiner Aktion „ermutigt“ hätten: Diese finden wir im verborgenen Dschungel US-amerikanischer Studentenverbindungen, die meist halbgeheim oder sogar streng geheim sind und in der Regel von höchsten Machteliten geführt werden. An der elitären Universität von Virginia gibt es viele solcher mysteriösen Verbindungen, die darum buhlen, möglichst jeden Studenten einzufangen, der ihnen von Nutzen sein kann. Söhne und Töchter reicher, mächtiger Familien sind immer dabei. Aber auch fähige Talente, die sich willig erweisen, werden gerne aufgenommen und für die langfristigen Ziele der Machteliten eingespannt.

Eine solche Verbindung ist die „Z Society“. In einem Brief schrieb Warmbier intime Details über diese Verbindung und erzählte, dass er dort gerne Mitglied werden wollte. Die „Z Society“ sei laut Warmbier die geheimste Organisation der UV-a. Sie finanziert die Universität mit Millionen Dollar und ihre Mitglieder waren u.a. der US-Präsident Woodrow Wilson und ein ehemaliger CIA-Chef. Um Mitglied zu werden, muss man eine „mutige Tat“ begehen, sagte Warmbier und wies darauf hin, dass die „Z Society“ wusste, dass er gerne Mitglied werden wollte, um die finanziellen Schwierigkeiten seiner Familie zu beseitigen. Die mächtige Verbindung habe von ihm erwartet, dass er eine „tapfere Tat“ begeht.

Wer die Bedeutung solcher Studentenverbindungen an US-amerikanischen Elite-Unis kennt, der weiß, dass hier in der Tat ein starkes Motiv liegen könnte. Hat Warmbier von sich aus die geheime „Z Society“ ins Spiel gebracht oder wer hat ihn dazu gebracht? Dass die Nordkoreaner das ohne seine Hilfe in dieser Weise hätten konstruieren können, erscheint eher abwegig. Wer als Unwissender an der UV-a nach einer Studentenverbindung sucht, mit der sich so ein Motiv konstruieren ließe, der kann lange suchen… und würde viel eher auf die „Seven Society“ stoßen, die noch viel geheimer agiert, sich aber selber mit CIA-Kontakten brüstet. Das wäre ja aus Sicht der Nordkoreaner viel naheliegender gewesen.

Ohnehin ist es fraglich, ob die Nordkoreaner überhaupt ein Interesse daran gehabt hätte, so aufwendig Motive und Anstifter im Detail zu konstruieren. Für sie war der Fall propagandistisch erfolgreich und erledigt. Und trotzdem kommt Warmbier mit allen diesen Details daher über Mitglieder einer weitgehend unbekannten Methodistenkirche und über eine von vielen Studentenverbindungen. Wie wichtig die Aufnahme in eine solche Verbindung bei US-Studenten ist, steht außer Frage. Aus Warmbiers Worten klingt am Ende jedoch Verbitterung und Enttäuschung:


"Meine Belohnung für mein Verbrechen war so viel kleiner, als die Belohnungen, die die Z Society und die Friendship United Methodist Church von der US-Administration bekommen"


War Otto Warmbier, ohne es zu wissen, in einen staatlichen Provokationsversuch verwickelt? Hatte man ihn ganz bewusst angestiftet, den Diebstahl zu begehen, in der Hoffnung, dass er vor Gericht landet, damit man den Fall anschließend politisch ausschlachten konnte? Es bedurfte ja offenbar einer „Instruktion“, damit Warmbier überhaupt wusste, WO er WAS stehlen sollte: Im angeblich „geheimen“ 5. Stock des Hotels, der – ganz mysteriös! – nicht per Fahrstuhl angefahren werden kann, nur für Mitarbeiter zugänglich sein soll und wo viele Propaganda-Plakate an den Flurwänden ausgehängt sind. Was Warmbier nicht wusste: Seine Mühe war von Vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die gewünschte „Trophäe“ viel zu groß war, als dass er sie unbemerkt hätte wegtragen können. 

Sieht so der 5th Floor aus, wo Warmbier das Banner stehlen sollte?


Einem Reisebericht auf monsoondiaries aus August 2011 entnehmen wir, dass es keiner besonderen „Tapferkeit“ bedarf, um diesen mysteriösen 5. Stock aufzusuchen und sich dort ungehindert aufzuhalten. Es waren in der Vergangenheit schon diverse Neugierige dort, die darüber berichteten. Offenbar empfand es aber keiner als sonderlich interessant, dort ein Plakat zu stehlen. In den Berichten ist davon die Rede, dass der 5. Stock wie ein „Bunker“ aussähe und dass es dort viele Kameras sowie einen Überwachungsraum gäbe, von dem aus vermutlich jedes Hotelzimmer per Kamera eingesehen werden kann. Vielleicht war es das Stehlen vor laufenden Überwachungskameras, das den Nervenkitzel dieser „Mutprobe“ ausmachen sollte.

Otto Warmbier lief offenbar in eine Falle. Eine Falle, von der seine Anstifter gewusst haben müssen, dass es eine Falle sein würde. Sie haben billigend in Kauf genommen, dass Warmbier inhaftiert und verurteilt werden würde. Wer die geheime Geschichte der US-amerikanischen Kriege kennt, der kann hier eins und eins zusammenzählen. Denn quasi jeder US-Krieg basiert auf Kriegsvorwänden, die die USA selber im Vorwege konstruiert haben.

Die propagandistische Ausschlachtung von Warmbiers Schicksal spricht dafür, dass ein solcher Vorwand geschaffen werden sollte. Aus Sicht der US-Regierung war die Propaganda der US-Medien erfolgreich gelungen. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, war jedenfalls begeisterst. Sie sagte: „Der Tod des Studenten berühre das Herz der Amerikaner wie kein anderer“ (Quelle: t-online, 20.06.2017). Eine perfekte Voraussetzung, um anschließend die Herzen der Amerikaner für einen Krieg gegen Nordkorea zu gewinnen?

Der transatlantische US-Politiker und Kriegstreiber aus den Reihen der CFR-Schattenregierung, John McCain, formulierte schon mal eine Art Kriegserklärung, die der SPIEGEL prompt abdruckte:


"Nordkorea bedroht seine Nachbarn, destabilisiert die Asien-Pazifik-Region und entwickelt rasch die Technologie, um die USA mit Nuklearwaffen treffen zu können."
Nun habe das Land den Konflikt eskaliert, so McCain.
"Die Vereinigten Staaten von Amerika können und sollten die Tötung ihrer Staatsbürger durch feindliche Kräfte nicht tolerieren."


Der US-Krieg gegen Nordkorea steht vermutlich schon unmittelbar vor der Türe und der Tod des US-Studenten Otto Warmbier wäre derzeit ein wichtiger „Auslöser“, um das amerikanische Volk auf einen solchen Krieg moralisch einzustimmen. Die Geschichte mit dem Hotel war einfach zu verlockend, als dass sie nicht von interessierter Seite her eingefädelt worden sein dürfte.

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