Freitag, 10. Februar 2017

Voting-Manipulation beim ESC-Vorentscheid in der ARD



Der European Song Contest (ESC) ist nun wahrlich keine wichtige Sache, da haben wir ganz andere Probleme im Lande. Dennoch ist die deutsche Vorentscheidungs-Show ein Medienhype und es geht für die Beteiligten um viel Geld, Ruhm und lukrative Karrieren, die hier vor Millionen Fernsehzuschauern zurückgeworfen oder befeuert werden. Gestern Abend lief die stundenlange Show in der ARD, an deren Ende die Profi-Sängerin Isabella Lueen als Siegerin bei „Unser Song für Kiew“ feststand.

Möglicherweise war der Erfolg der deutsch-britischen Sängerin mit dem Künstlernamen „Levina“ von den deutschen Anrufern weniger gewollt, als sie selber glaubten. Zumindest aber lieferte die ARD in ihrer ESC-Show ein Musterbeispiel dafür ab, wie Medien bei Wahlen manipulieren. Ob die Manipulation erfolgreich war oder ob das Ergebnis auch ohne diesen Manipulationsversuch so ausgefallen wäre, darauf kommt es nicht an. Schon der Versuch ist schlimm genug.

Und so lief die Manipulation ab:

Die ARD bediente sich einer altbewährten PR-Masche, die wir auch im Vorfeld von politischen Wahlen immer wieder erleben: Der Umfragetrick. Es werden scheinbare „Umfrageergebnisse“ immer kurz VOR Beginn der Wahl präsentiert, die ganz zwangsläufig einen gewissen Einfluß auf den Wähler ausüben. Kaum jemand würde seine Stimme an eine Partei „verschwenden“, die laut Umfragen sowieso ganz hinten liegt und nicht mal Chancen auf den Sprung ins Parlament hat. Diese Masche wurde auch auf das gestrige ESC-Voting übertragen und dann mehrfach zum Einsatz gebracht.

Der Umfragetrick kam in der Gestalt „Europas“ daher. Woher diese angeblichen Umfragewerte stammen sollen, weiß niemand so genau. Von einer parallel in ganz Europa laufenden Live-Abstimmung war nicht die Rede, also können wir davon ausgehen, daß es ein Fake war, vielleicht noch pro Forma unterstützt von einer dieser dubiosen Denkfabriken die sich auch gerne als „Meinungsforscher“ tarnen.

Warum das Gedöns aus europäischen Nachbarländern überhaupt eine Rolle für unsere eigene Entscheidung über unseren Beitrag spielen sollte, konnte uns niemand erklären. Moderatorin Blödeberger befand eben, daß Europas Meinung „nicht unerheblich“ sei und damit hat es sich. Logisch gesehen wäre das ja eher schädlich, denn unsere Nachbarländer wären ja nicht so dämlich, unseren besten Beitrag zur Konkurrenz gegen sich zu erheben. Gerade deshalb spricht vieles dafür, daß „Europa“ nur erfunden wurde, um einen scheinbar glaubhaften Grund zu konstruieren, warum man während der Votings manipulierende Umfragewerte präsentiert.

Vor dem ersten Voting, als noch alle 5 Kandidaten im Rennen waren, wurde erstmals die Umfragemasche „So ist die Stimmung in Europa“ bei 1:00:40 (siehe ARD Mediathek) ins Spiel gebracht. Schon die Tatsache, dass die Umfrage pünktlich kurz VOR dem Voting präsentiert wurde, zeigt die Absicht dahinter. Eigentlich hätte diese Umfrage erst nach Ende des Wahlganges gezeigt werden dürfen, aber so lagen die beiden späteren Finalkandidaten Isabella Lueen und Axel Maximilian Feige bereits vor der ersten Abstimmung in den Köpfen der Wähler vorn. Helene Nissen wurde hier bereits „totgesagt“, lebte aber noch eine Runde länger, als „Europa“ wollte…

 

Dann kam das Voting für die letzten drei Kandidaten (1:29:34). Und wieder wurde die beeinflussende Umfragemasche pünktlich kurz VOR Beginn des Votings den Zuschauern unter die Nase gerieben. Und wieder sagte „Europa“ (oder wer auch immer): Die Nissen soll nicht ins Finale. Nach der Umfragemasche folgte die Kurzvorstellung der Lieder. Danach begann wurde die Umfragemasche ganz dreist noch mal wiederholt, um ganz sicher zu gehen, daß jeder die „Botschaft“ verstanden hat. 

 

Um die „Umfrage“ (1:34:02) glaubwürdiger zu machen, wurden die Prozentpunkte verändert. Binnen gerade mal vier Minuten soll sich „Europa“ demnach plötzlich zugunsten von „Levina“ entschieden haben: Aus 14% bei Nissen wurden 13, aus 44% bei Feige wurden 41 und Lueen kletterte von 42% auf 46 und lag auf einmal vorn. Das ist erstaunlich, denn die Kandidaten hatten ja nichts Neues dargeboten. Zwischen der ersten „Umfrage“ und der zweiten lag lediglich die Kurzvorstellung der bereits gesungenen Lieder.

 

Die zweite Einblendung der „Europa“-Werte erfolgte mitten im laufenden Voting – offenkundiger kann eine Manipulation kaum mehr sein. Das Ergebnis überraschte dann auch nicht: Die laut „Europa“ hoffnungslos zurückliegende Helene Nissen flog aus dem Wettbewerb. Die Kandidaten, die laut „Europa“ immer irgendwie vorn lagen, zogen ins Finale. Dort zeigte sich „Europa“ plötzlich erstaunlich fair: Obwohl Lueen zuletzt klar vor Feige lag, wies die Umfragemasche nun einen Wert von „50:50“ aus – ein unter realen Verhältnissen mehr als unwahrscheinlicher Wert, wenn zwei Kandidaten um einen Posten kämpfen.

 

Am Ende haben sich mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Wähler durch die Masche mit dem Umfragetrick beeinflussen lassen, als ihnen selbst bewußt sein dürfte. Es liegt nun mal in der Natur des Menschen, sich nach der Masse zu orientieren und sich leichter „begeistern“ zu lassen, wenn scheinbar schon „viele, viele“ andere „begeistert“ sind. Allerdings läßt sich das in den Medien auch sehr leicht steuern. Es geschah gewissermaßen vor Aller Augen – und trotzdem hat es kaum jemand bemerkt!

Dieser Beitrag soll für niemanden Partei ergreifen und niemanden abwerten, sondern lediglich aufzeigen, mit welchen Tricks in den etablierten Medien gearbeitet wird, um Wahlen zu manipulieren. Beim ESC ist das sicher nicht „kriegsentscheidend“, aber bei den nächsten Landtags- oder Bundestagswahlen werden Sie dieser Masche wieder begegnen – und es sind dieselben Medien, die es praktizieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen