Mittwoch, 21. Dezember 2016

Bana, die Propagandawaffe oder: Wie ein 7-jähriges Mädchen auf Twitter mißbraucht wird



Kriegspropaganda kann äußerst perfide sein. Vor allem dann, wenn sie so nett und adrett wie ein kleines Mädchen daherzukommen scheint. Die kleine Bana al-Abed soll aus Aleppo stammen, wo CIA-konstruierte „Rebellengruppen“ zuletzt mit allen Mitteln die syrischen Regierungstruppen schlagen wollten. Mitten aus dem Kriegsgebiet erreichten seit September herzerweichende Tweets die Öffentlichkeit via Twitter. Mehrmals täglich gab die 7-jährige Bana Kommentare zum Kriegsgeschehen um sie herum ab. Aber wer steckt wirklich hinter dem ominösen Konto?

Verfasst sind die Tweets durchgehend in englischer Sprache, was zumindest sehr clever ist, denn auf Arabisch wäre die Wirkung wohl kaum so groß gewesen. Aber vielleicht beherrschen die Macher des Kontos die arabische Sprache auch gar nicht richtig, was jedem echten Syrer sofort aufgefallen wäre. In den etablierten Medien wurde hauptsächlich die 7-jährige Bana als „Twittermädchen“, als „Twitterstar“ oder gar als „Anne Frank von Aleppo“ gefeiert. Die sympathisch wirkende Kleine mit den großen traurigen Augen paßt perfekt in die westliche Anti-Assad-Propaganda. Daß ein siebenjähriges Mädchen in Syrien wohl kaum in der Lage ist, sich derart geschickt auszudrücken, noch dazu in einer völlig fremden Sprache, wurde einfach ignoriert.

Tatsächlich kann nur eine erwachsene Person mit entsprechender Schulbildung dazu in der Lage sein. Angeblich soll es sich dabei um die Mutter Fatemah handeln, die namentlich sehr oft als Absender einer Nachricht genannt wird. Laut Medienberichten soll Mutter Fatemah Lehrerin, unter anderem für Englisch, sein. Sie soll aber auch Jura studiert haben, d.h sie hat 12 Jahre lang nach arabischem Lehrplan studiert plus vier Jahre an der Universität, wo alle Fächer in Arabisch gelehrt werden. Trotzdem weigerte sich Mutter Fatemah, mit einem syrischen Landsmann, der ihr und ihrer Tochter bei der Evakuierung helfen wollte, auf Arabisch zu kommunizieren.

Wenn Sie auf einen Landsmann irgendwo in aller Welt oder im Netz treffen, würden Sie dann nicht ganz automatisch deutsch mit dem sprechen?

In den zahllosen Tweets der letzten Monate ging es immer wieder um Bombardierungen, Zerstörungen, Angriffe und Tote. Die Art und Weise der Schilderungen wirkt oftmals alles andere als natürlich, sondern eher sehr überspitzt und bewußt dramatisiert. Wer sich das alles durchliest und sich die auffallend eindrucksvollen Fotos und Videosequenzen anschaut, der kommt sich bald vor wie in einem Hollywoodfilm und stellt sich unwillkürlich die Frage, ob all das nicht die Möglichkeiten eines kleinen Mädchens und seiner kriegsgebeutelten Familie übersteigt? Haben Mama und Töchterlein mitten im Bombenhagel wirklich keine anderen Sorgen, als jeden Tag derlei banalen Dingen nachzugehen?

Von etablierten, insbesondere US-hörigen Medien wurde Bana sehr schnell als das arme kleine Mädchen propagiert, das den zivilen Opfern des Syrienkrieges „ein Gesicht“ gab. Neben tränenreichen und dramatisch inszenierten Tweets schlug jedoch auch eine klare Propagandalinie durch: Es richtete sich immer nur gegen Assad und Putin als alleinige Schuldige des Krieges. Dass die Pläne der USA, Syrien mit einem Krieg zu erobern, schon 2001 bekannt wurden, war kein Thema auf Banas Twitterkonto. Auch dass der CIA die „Rebellengruppen“ in Syrien bekanntermaßen aufgebaut, finanziert und bewaffnet hat, wurde schlicht unterschlagen. Nur Assad und Putin wurden aufgefordert, mit dem Krieg aufzuhören. Die von den USA protegierte Gegenseite darf also gerne weiter bomben und töten? 

einseitiger Zynismus gegen Assad und Putin

Spätestens diese einseitigen, falschen Schuldzuweisungen entlarven Banas Twitterkonto als politische Propagandawaffe zugunsten der US-Kriegstreiber. Auch die Verwendung des Schlüsselbegriffes „Holocaust“ im Zusammenhang mit den Kriegshandlungen in Aleppo ist entlarvend: Ein 7-jähriges Mädchen käme niemals auf einen solchen Begriff, eine unbedarfte Zivilistin sicher auch nicht. Aber eine solche dürfte Mutter Fatemah auch kaum sein. Zumal ihr Mann, Banas Vater,  Behördenmitarbeiter und Mitglied der islamischen Brigade al-Safwed ist.

"Holocaust" - Sprachgebrauch einer Siebenjährigen?


Kritik an diesem von den Medien bejubelten „Twitterstar“ war vorprogrammiert. Darum ließ wer auch immer (?) die „Glaubwürdigkeit“ von Banas Twitterkonto untersuchen. Das Ergebnis war nicht überraschend: Natürlich ist Bana total glaubwürdig und ihr Konto waschecht. Weniger glaubhaft dürften vielleicht die Untersuchenden selbst sein. Denn zum einen stammt der Untersuchungsbericht von einem ehemaligen britischen Armeemitglied, dessen Armee schon Jahre vor Kriegsbeginn zusammen mit der US-Armee „Rebellen“ für Syrien ausbildete. Zum anderen wissen wir von der Internetplattform „Bellingcat“ alias Brown Media Ltd., dass sie z.B. im Zusammenhang mit dem dubiosen Absturz von Flug MH-17 ganz im Sinne US-westlicher Propaganda Putin als Täter beschuldigen.

US-Regierungshörige Medien, u.a. CNN, berichteten am 5. Dezember mit heuchlerischer „Besorgnis“ darüber, dass Banas Propaganda Twitterkonto gelöscht worden sei. Das sollte wohl irgendeine hackermäßige Sabotage seitens Assad oder Putin suggerieren. Doch tatsächlich war das Konto lediglich ein paar Stunden nicht erreichbar. Besonders aufschlußreich daran ist, dass auf dem Konto selbst mit keiner Silbe, also mit keinem Tweet erwähnt wurde, dass das Konto vorübergehend nicht mehr erreichbar war. (siehe Banas Konto, 5./6. Dez.)

Große Dramatik: Es ist immer die "final Message"


Am nächsten Tag ging die Propaganda unter dem Pseudonym „Bana“ bzw. „Banas Mom“ munter und vor allem dramatisch klingend weiter. Fast jeder neue Tweet geriet zur „final Message“, obwohl es nie „final“ war, sondern offenbar nur die Spannung beim Leser hochhalten sollte. Zwischenzeitlich mußte die Familie den Verlust ihres Hauses beklagen, hatte aber noch den Nerv, ein paar besonders schöne Schnappschüsse fürs Publikum davon zu machen. Die kleine Bana posierte wie gewohnt routiniert und professionell. Stets sauber und ordentlich, putzmunter und immer frisch und unversehrt gekleidet. Genau genommen schon ein bißchen ZU sauber und unversehrt für ein syrisches Mädchen aus einer Familie, die ihr Haus verloren hat und irgendwo zwischen schmuddeligen Trümmern leben muß. Ein Widerspruch, der den Medien scheinbar nicht auffallen wollte.

auffallend professionell arrangierte Fotoaufnahmen


Ebenso wie professionell arrangierte Fotos wie z.B. das Foto, wo Bana ein „selbstgemaltes“ Pappschildchen mit dem einseitigen PR-Text „Please Assad Putin stop the Bombing“ in die Kamera hält. Das Thema Propaganda hatten wir ja schon, aber beachten Sie bitte einfach mal rein technisch gesehen den perfekt arrangierten Hintergrund, wo alles genau paßt, einschließlich Dekoblumen und optimaler Ausleuchtung. Die Qualität spricht ganz klar für eine Studioaufnahme mit Profitools, aber ganz sicher nicht für ein mal eben selbstgeschossenes Handyfoto von zu Hause, mitten im Kampfgebiet, wo jederzeit Bomben einschlagen können. Aber die kleine Bana steht da wie eine Eins, ganz seelenruhig, als befände sie sich gerade am friedlichsten Ort der ganzen Welt.

Immer wieder flehte „Bana“ nachdrücklich um Hilfe. Der syrische Pro-Regierungs-Aktivist Maytham Al Ashkar bot sie ihr am 27. November an. Er wollte ihr bei der Evakuierung aus Aleppo behilflich sein, wie er auf sputnik berichtete. Daraufhin wurde er am 12. Dezember von einem Twitternutzer auf Arabisch kontaktiert, ob sein Angebot noch gelte. Er bejahte – und wurde von „Bana“ direkt angeschrieben. Er chattete mir ihr auf arabisch, aber die Person hinter Banas Konto bevorzugte offensichtlich Englisch statt ihrer eigenen Muttersprache. Maytham wandte sich an die Stadtverwaltung und die syrische Armee in Aleppo. Mit Erfolg. Die Behörden stimmten sogar zu, den rechtlichen Status des Vaters beizubehalten. Maytham lud sogar alle Medien ein, sich mit ihm oder dem Gouverneur in Verbindung zu setzen, um die Evakuierung zu begleiten.

Doch am Ende ging es Bana angeblich zu schnell und sie verweigerte das Evakuierungsangebot. Wollte sie lieber noch ein wenig im Krieg bleiben, weil es bei Twitter grad so gut lief? Maythams Eindruck: „Derjenige, der mich über dieses Konto kontaktiert hat, hatte keine Angst". Maytham glaubt, das Mädchen war in Aleppo, aber mehr auch nicht. Die Macher des Bana-Kontos wollten vermutlich einen Pro-Assad-Kämpfer als Lügner hinstellen, aber als sie merkten, dass er nicht log, sondern wirklich helfen wollte, da zogen sie sich schnell zurück.

 

Kurz darauf wurden Bana und ihre Familie dennoch (oder erst recht) evakuiert, wie etablierte Medien (siehe WELT-Artikel) mit geheuchelter Erleichterung bejubelten. Allerdings wurde sie nun von den „Richtigen“ evakuiert, nämlich von ihren politischen Freunden aus den USA. Genauer gesagt unter Mitwirkung der „Syrian American Medical Society“ (SAMS), die sich auf die medizinische Unterstützung der CIA-gepäppelten „Rebellengruppen“ spezialisiert hat. Maßgeblicher Vertreter von SAMS ist Dr. Zaher Sahloul, ein Syrer der in den USA Karriere gemacht hat. Sahloul betreibt ganz offenkundige US-Propaganda, nicht nur im Namen von SAMS, sondern auch im UN-Sicherheitsrat.

In einem Interview mit „Democrazy now“ (siehe Bericht im Journal Neo) offenbarte Sahloul eine typische Doppelzüngigkeit. Er forderte lautstark eine Flugverbotszone in Syrien, spricht von Genozid und Massakern soweit es sich gegen Assad münzen läßt. Aber eine Welle von Tötungen von Kindern durch US-hörige saudische Truppen verschweigt er ebenso wie die US-Planungen zum Syrienkrieg. Entlarvend ist auch Sahlouls Verwendung politischer Schlüsselbegriffe wie z.B. Barrel Bomben, WMD oder No Fly Zone. Sahloul war einst Klassenkamerad von Regierungschef Assad in der med. Fakultät, hat aber als „US-Syrer“ mittlerweile die Seiten gewechselt.

Ob es wohl Zufall war, dass die „Syrian American Medical Society“ (SAMS) ausgerechnet 1998 gegründet worden war, also zu einem Zeitpunkt, wo die kommenden US-Kriege im Nahen Osten schon in Planung waren und klar war, dass auch „politische“ Ärzte (Medical Intelligence) in Kriegsgebieten gebraucht werden, die sich im Sinne der US-Mächtigen verhalten? Das US-Außenministerium unterstützt SAMS mit Zuwendungen in Höhe von Millionen Dollars. Und die Webseite von SAMS schmückt sich mit einem Video der US-Botschafterin Samantha Powers, die SAMS als einen ihrer "persönlichen Helden" im Syrienkrieg propagiert.

Diese „persönlichen Helden“ aus den USA durften also an Banas Evakuierung mitwirken. Das ist natürlich viel besser, als wenn es ein „böser“ Assad-Mann tun würde, das paßt nicht ins gewünschte Bild. In den Medien hieß es, dass nun Schluss sei mit Banas Twitterei aus Aleppo, weil sie ja evakuiert worden sei. Ob das eine mit dem anderen überhaupt zusammenhängt, wäre noch zu klären, aber die lästigen Tweets gehen auf jeden Fall weiter. Offenbar ist die Propagandashow einfach zu gut, als dass jetzt einfach Schluss sein dürfte.  

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg: Die Bana-PR geht weiter...


Der neueste PR-Deal: Bana trifft Erdogan! „Very happy to meet with Mr Erdogan“, macht sich das Nicht-mehr-Aleppo-Girl wichtig. The Show must go on, könnte man auch dazu sagen. Die „final Message“ war es sicher noch lange nicht…

1 Kommentar:

  1. Das sind genau die "echten aktuellen Nachrichten", die ich hasse. Man kann nichts mehr glauben. Ich bin überzeugt, dass die Gegenseite (Russland) mit gleichen Mitteln "kämpft". Hintergrund ist einfach, dass die Menschen gegenseitig aufgehetzt werden sollen. Den Politikern geht es einfach um die Macht, deren Anhänger und Journalisten geben veröffentlichen "Enten" und die Leute glauben das, was sie wollen. Die derzeitige Situation in den USA spricht Bände, ein Bürgerkrieg dort (wenn nicht sogar ein 3. Weltkrieg) sind nicht auszuschließen.

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