Mittwoch, 26. Oktober 2016

Zschäpe und Peggy: Irreführende Medienberichte für die Staatsräson



Wie läßt sich ein Ereignis scheinbar sachlich widergeben und trotzdem so manipulieren, daß ein falscher Eindruck entsteht? Der Nachrichtendienst dpa demonstriert uns das anschaulich mit Hilfe geschulter Schlagzeilenstrategen von etablierten Presseorganen wie Spiegel und Focus. Es geht immer noch um den seltsamen Fund von DNA-Spuren des ermordet in einem Wohnmobil aufgefundenen Uwe Böhnhardt am Fundort der toten Peggy aus Lichtenberg.

Warum diese Spekulationsblase überhaupt Eingang in ein Gerichtsverfahren in ganz anderer Sache finden kann, bei dem der betroffene Böhnhardt selbst nicht einmal anwesend sein kann, das läßt sich wohl nur mit Staatsräson in Sachen NSU-PR erklären, die am OLG-Stadl in München vom Vorsitzenden Richter Götzl immer wieder erkennbar vertreten wird. Laut dpa hatte Götzl die Angeklagte Zschäpe befragt, ob sie über Informationen über Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Zschäpe selbst beantwortete die Frage nicht, Ihr Rechtsbeistand kündigte eine schriftliche Beantwortung an.

Soweit das übliche Prozedere: Fragen an Zschäpe werden immer nur schriftlich beantwortet, egal um was es geht. Und wenn es nur die Frage nach der Farbe des Himmels wäre. Doch von Spiegel, Focus & Co. wird das fälschlicherweise so gedeutet, als hätte Zschäpe tatsächlich etwas wichtiges zum Fall Peggy zu erklären, ja gar mit dem Fall Peggy zu tun. 

 

Beim Focus lesen wir aufmerksamkeitsheischend folgende Schlagzeile: „NSU-Terroristin Zschäpe kündigt schriftliche Erklärung zum Fall Peggy an“. Der Satz enthält gleich zwei dicke Lügen, denn zum einen ist Zschäpe nach bisherigem Kenntnisstand keine „NSU-Terroristin“ und zum anderen hat sie selber gar nichts angekündigt. Die Schlagzeile erweckt jedoch – ähnlich wie beim Speichel – ganz bewußt den Eindruck, als stünde ein großes Geständnis von Zschäpe in Sachen Peggy bevor. Ganz so, wie es die offizielle NSU-PR wünscht.

 

Der Speichel behauptet auf Grundlage der dpa-Meldung, Zschäpe wolle „Fragen zu Fall Peggy schriftlich beantworten“. FrageN? Es wurde doch offenbar nur EINE Frage gestellt, nämlich die, ob sie über Informationen verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Keine ernsthafte Verteidigung würde dazu überhaupt Stellung nehmen, da es weder mit der Anklage noch mit der Angeklagten selbst etwas zu tun hat. Aber wir dürfen sicher sein, daß Zschäpes Ghostwriter nur zu gerne im Sinne der Staatsräson antworten werden.

Eine Hand wäscht bekanntlich die andere und der konstruierte NSU-Untergrund eignet sich derzeit bestens dazu, unangenehme Fälle aller Art zu entsorgen, ehe doch noch an unliebsamen Stellen Staub aufgewirbelt wird. Denn es ist ja kein Geheimnis, daß gerade im Fall Peggy noch vieles unklar ist und die Ermittlungen auffallend schlampig einseitig durchgeführt wurden. Thüringen mag nicht Sachsen sein, liegt aber polizeilich-geheimdienstlich traditionell eng beieinander. Und in Sachsen wurde schon zu Zeiten des damaligen Innenministers de Misere eine schützende staatliche Hand über hochrangige Kinderpornokreise gehalten.

Trotz des manipulativen Charakters der Meldung lassen sich die Hofberichterstatter aber noch ein Hintertürchen offen: Nachdem zuletzt lautstark eine Verunreinigung der DNA-Spur am Fundort ausgeschlossen wurde, räumt dpa mittlerweile ganz am Rande ein, daß auch eine „Verunreinigung der Probe nicht völlig ausgeschlossen“ ist. Siehe da, die PR hat ihren Zweck erfüllt und hat es sogar in den Gerichtssaal geschafft – als Steilvorlage ausgerechnet für die staats- und Anklageschützenden Ghostwriter der "Verteidigung"…

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