Montag, 26. Oktober 2015

Traum und Untergang der Wehrsportgruppe Hoffmann X: Corelli kommt



Nachmittag des 4. November 2011, Schloss Ermreuth

Karl Heinz Hoffmann setzt sich an den Rechner. Über ein Jahr ist es jetzt her, dass er nach all den Jahrzehnten der Entfernung von der Politik wieder ins Feuer geraten ist. Der Herbst 2010 hatte ein absurdes, ergebnisloses Ermittlungsverfahren gegen ihn gebracht, Hausdurchsuchungen und neuerliche Medienhetze. Das war auch der wirtschaftliche Ruin gewesen. Jetzt, Anfang November 2011, plant Hoffmann einen Vortrag in Leipzig.

Er öffnet seine E-Mails. Draußen scheint die Sonne.



Von einem solchen Richter hat Hoffmann noch nie etwas gehört, und die E-Mailadresse ist ihm suspekt. „geheimkult@yahoo.de“, was soll das sein? Ein Verrückter, ein Feigling, ein Provokateur? Es ist kurz nach vier; der Absender hat seine Zuschrift um 15 Uhr 36 losgelassen.

Die Wehrsportgruppe gibt es in diesem November 2011 seit über 30 Jahren nicht mehr. Hoffmann hat ein paar Kleinigkeiten von damals aufgehoben, mit einigen Kameraden hat er noch Kontakt, sie sind Freunde geworden oder eben alte Bekannte geblieben. Er ist jetzt ein alter Mann; aber wenn er guten Mutes ist, sieht er zwanzig Jahre jünger aus, da blitzt eine jugendliche Freude am Neuen und Unbekannten in seinen Augen.

Das Bekannte ist meist weniger lustig; der Mythos der WSG ist immer noch lebendig, Hoffmann selber eine Projektionsfläche für die Ängste und den Hass seiner alten Gegner und auch jener geworden, die ihn gar nicht kennen. – Naja, dann eben weiter die Mails durchsehen und dem Mann antworten.



Auf Hoffmanns Nachfrage, wer ihn denn kenne, auf wen er sich berufen könne bei seiner Anmeldung für den Vortrag, reagiert „Thomas“ lässig. Die Kameraden Lümmel und Rolle, auch ein gewisser Chemo aus Leipzig seien Freunde in der „Szene“. Hoffmann traut dem Braten nicht und bietet dem Unbekannten an, für seine Sicherheit zu garantieren, wenn er ein Linker sei. Der aber gibt sich als Nationaler aus und kokettiert mit seiner Legasthenie. Hoffmann lässt sich nicht auf nähere Kontakte zu dem Kerl ein, auch nicht in den darauffolgenden Wochen, nachdem Richter zunehmend ungehalten wird.

In der sächsischen Stadt Zwickau brennt am selben Tag ein Haus. Um etwa 15 Uhr 40, kurz nach Richters erster Mail, ist der Brand gelöscht.

Damals, 1980, hatte man versucht, Hoffmann den Oktoberfestanschlag anzuhängen. Das war mit einem ungeheuren Aufwand unternommen worden. Selbst Hoffmann kann die Intrigen, die sich damals zutrugen, nach Jahren der Forschung nicht ganz überschauen. 2010, vor einem Jahr, hatten sie ja wieder angeklopft; eine Richterin unterschrieb einen Hausdurchsuchungsbefehl, in dem die Vermutung ausgesprochen war, Hoffmanns Rechner sei grundsätzlich dazu geeignet, darauf eine Bombenbauanleitung zu speichern (welcher neuzeitliche Rechner wäre dies nicht).

Am Ende war es nichts, Verfahren eingestellt.

Die Einschläge kamen aber näher. Ohne Zweifel.

Heute wissen wir, wer sich an diesem 4. November 2011, genau in jenen Minuten, in denen das Haus in Zwickau brannte, bei Hoffmann gemeldet hat. Gemeldet hat sich Thomas Richter, genannt Corelli, ein langjähriger Spitzel und vor allem Provokateur des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Corelli spielte, wie wir heute wissen, eine wesentliche Rolle beim Aufbau des NSU-Mythos. Eine CD, die er nach 2003 verbreitet hatte, trug das Kürzel „NSU“ und verleitete die versammelte Antifa samt aufklärungsunwilliger Behörden und Parlamentarier zu dem Glauben, es habe einen solchen NSU schon vor 2011 gegeben.

Thomas Richter alias V-Mann Corelli

 Auch an anderer Stelle, in Baden-Württemberg, hat Corelli eine Rolle in jenem Komplex an spektakulären Scheinspuren gespielt, die im Nachhinein auf ein „NSU-Netzwerk“ hindeuten sollen. Ein Meister der Verstrickung und der Verstellung; ein Zyniker und Melancholiker. 2014 starb er, unter seltsamen Umständen.

Nicht umsonst hatte man versucht, Hoffmann schon im Vorfeld jener Ereignisse, die im Jahr 2010 zu dem abstrusen Ermittlungsverfahren geführt hatten, „im kleinen Kreis“ mit Ralf Wohlleben zusammen zu bringen. Die Staffage jenes Ermittlungsverfahrens wirkt, auch von den Örtlichkeiten und den involvierten Personen her, auf den heutigen Betrachter wie eine perverse Trockenübung in Vorbereitung zur NSU-Affäre.

Es ist den finsteren Mächten, wie Hoffmann sie nennt, in diesem Herbst 2011 nicht noch einmal gelungen, ihn dranzukriegen. Im Netz der gelegten Trugspuren, diesem Wald an tödlichen Reusen staatlicher Abartigkeit, hat sich der Gründer der Wehrsportgruppe nicht noch einmal verfangen.

Bis heute kämpft Hoffmann gegen diese finsteren Mächte. Es wird nicht aufhören, so viel steht fest.


Weitere Teile dieser Serie:
Traum und Untergang der Wehrsportgruppe Hoffmann I

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