Dienstag, 8. September 2015

Kanakenbegrüßungssender



Heut früh im Hafen. Schichtbeginn inne Metallbude. Ich um Schlach Sechs vonne Umkleide inne Werkhalle. Pünktlich wie die Maurer. Auch die andern sin schon dor. Die Säge kreischt, Maschinen brummen, allgemeines Gewusel. Ich erst mal zu Kuddel anne Werkbank.

„Moin Kuddel, wat los, heut gar nich das Radio auf volle Pulle?“

Kuddel grimmig: „Nee, leck mich, mein Sender wurd abgeschafft““

„Wie abgeschafft? Hörst doch immer den einen da, mit diesem bekloppten Ment oder so, wat is damit?“

„Hat er auch, hat er auch“, petzt Hein von der andern Werkbank. „Aber dann hat er mit der Faust auf die Kiste geschlagen und fettich“.

Großes Gejohle, alles biegt sich vor Lachen.

Kuddel, noch grimmiger: „Der Sender ist jetzt KBS“.

„Der is wat? KBS?“

„Kanakenbegrüßungssender“, wiehert Boje dazwischen. Wieder großes Gejohle…

„Oha“, sach ich. „So schlimm?“

„Viel schlimmer“, stöhnt alles im Chor. „Kaum ne halbe Stunde vergeht, ohne dass die von ihren dusseligen Flüchtlingen quasseln“, beklagt sich Hein.

„Wat die so alles Flüchtlinge nennen, die Spinner“, fügt Kuddel hinzu. „Da kriegste das Kotzen. Kommen alle hierher und wollen sich einnisten“.

„Jo, da sachste wat, dat stimmt wohl. Geht mir auch voll auffe Nüsse“, pöbelt Vaddern im Hintergrund.

Vaddern is der Senior in der Halle. Schon fast in Rente. Eigentlich heißt er Klaus, aber alle nennen ihn Vaddern. „Die wissen doch gar nicht, was Flüchtlinge sind“, flucht er jetzt laut vernehmbar. „Ich weeß dat, wir ham selber welche aufgenommen. Damals nachn Krieg. Das waren Deutsche, die vor de Tschechen ausm Osten fliehen mussten. Das warn echte Flüchtlinge. Aber die Typen heute? Schaut euch die mal an, junge kräftige Kerle, mit ihren ganzen Sippschaften ausm Balkan und Afrika, grölen ganz frech ‘Germany, Germany‘ aufm Weg hierher. Da weißte doch gleich bescheid!“

„Jo Vaddern, schon recht“, sach ich. Und zu Kuddel gewandt: „Warum hörste nich einfach nen anderen Sender?“

Kuddel läuft rot an vor Wut und schimpft: „Die sind auch alle KBS! Alle verrückt geworden! Wir solln de Kanaken helfen - - na klaaar, die dummen Deutschen, wer auch sonst? Die ham doch nen Knall mit ihre dumme Begrüßungsarie, die begrüßen ihren eigenen Untergang und merken`s nicht“.

„Oder wollens nich merken“, fügt Hein ganz schlau an.

„Ganz genau merken die dat, die Sauhunde“, meint Vaddern. „Ich mach schon gar nicht mehr die Glotze abends anstellen, ständig dieses verlogene Kanakengelaber“.

Vaddern ist jetzt richtig in Rage und holt zur nächsten Rede aus, aber Boje kommt ihm zuvor: „Wir solln jetzt alle mit Willkommensschildern zum Bahnhof laufen und die Kanaker schön begrüßen…“

Kuddel stinksauer: „Sach mal hast du nen Arsch offen?“

„He, sachte, ich hab doch bloß wiederholt, was die Pfeife im Radio gesacht hat“, beschwichtigt Boje schnell. Und kleinlaut weiter: „Ist doch nich meine Meinung“…

„Die erinnern mich ganz stark an die Jubelperser“, meint Hein. „Kennt ihr die Geschichte noch?“

„Ich lauf auch gern mal zum Bahnhof hin, aber mit ne Knarre unterm Arm!“, schimpft Kuddel. „Türen zu und die Züge gleich wieder ab in Balkan schicken“.

„Sach mal Kuddel, ham die nich bei dir umme Ecke auch schon die ganzen Zelte mit deine neue Freunde da aufgebaut?“, frotzelt Jürgen.

„Aber ne ganze Batterie sach ich dir, was meinst du wat da jetzt alles rumläuft. Ich laß meine Tochter gar nicht mehr ausm Haus ohne Aufsicht, dat sin Zustände! Da werd ich bald noch zum Flüchtling!“, flucht Kuddel.

„Tscha, wo willste denn hin?“ sach ich,  „uns gibt doch niemand Asyl vor diesen Irren hier…“.

„Wir könn ja alle nach Syrien oder aufn Balkan. Da müßt dat ja bald ganz leer sein, die Kanaker sin ja alle hier“.

„Jo Hein, dat is überhaupt die Idee“, begeistert sich Vaddern. „Endlich keine deutschen Gutmenschen mehr sehn, wat wär dat schön“…

„Und keine Kanakenbegrüßungssender hörn...“.

Jürgen schüttelt den Kopf. „So leicht wollt ihr denen dat machen? Einfach abhauen?“

„Nee, da haste natürlich recht. Flüchten ist keine Lösung. Man muss die Probleme im eigenen Land anpacken“.

„Mann Kuddel, dat hättste mal den Kanakern sagen sollen, dann wärn die vielleicht gar nicht gekommen…“

Kuddel blinzelt Boje böse an und zischt: „Sehr lustig, hast wohln Kasper gefrühstückt, wa?“

Alles feixt. Vaddern ganz trocken: „Die wärn trotzdem gekommen. Die wollen nix aufbauen. Die sin geködert worden mit nem schönen Leben. Viel schöner, als sie zu Hause jemals haben könnten. Is doch kein Zufall, dass die alle kommen“.

„Na, dat klingt man aber verschwörerisch. Du wärst doch auch gekommen, oder?“

„Schon möglich“, brummt Vaddern. „Aber zulassen darf man das eben nicht. Wir könn doch hier nicht alle Armen der Welt aufnehmen. Wo bleiben wir denn dann?“

„Dat frag mal die Pfeifen vonne KBS, die begrüßen schon ihr neues Volk. Und uns treten se in Arsch. Genau wie der fette Gabriel neulich in Heidenau. Palavert mit de Kanaker, aber die Probleme der deutschen Anwohner hört der sich gar nich mehr an“.

„Die sind ja auch das Pack“, frotzelt Jürgen.

„Wenn ich groß bin, will ich auch das Pack sein“, gibt Hein zurück.

Großes Gelächter.

„So, nu is mal Schluss mit dem Gedöns“, poltert Vaddern. „Irgendjemand muss ja für die Asylanten das Geld verdien`, also anne Arbeit Jungs!“.

„Jawoll Vaddern, alles für den Dackel, alles für den Hund - Hund!"

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