Sonntag, 19. Juli 2015

Das Ende der Internet-Revolution



Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da kannten die meisten Leute noch nichts vom Internet und seinen Möglichkeiten. Eigentlich ist das Internet erst seit ca. Mitte der 90er Jahre bekannt, bei der Masse sogar erst seit Anfang der 2000er. Damals noch im Schneckentempo und längst nicht so ausgereift, wie es heute fast jedes kleine Kind wie selbstverständlich kennt.

Aber es war damals eine mediale Revolution, denn: Volkes Meinungen fanden bis dahin so gut wie gar keinen Eingang in die klassischen Massenmedien und damit in die Öffentlichkeit. Vielmehr war es so, daß die Massenmedien vom Nato-„Spiegel“ bis zur „Bild“-Zeitung die öffentliche Meinungsmache beherrschten und dem Volk vorgaben, was es zu denken hatte. Kritische Meinungen konnten nur schwierig und in sehr begrenztem Wirkungskreis Verbreitung finden. Insofern unterschied sich die Medienmacht in westlichen „Demokratien“ kaum von der in China oder Rußland. Es war genau genommen sogar noch viel hinterhältiger, weil dem Volk im Westen Meinungsvielfalt vorgegaukelt wurde, obwohl alles Relevante fein säuberlich durch Politik und Geheimdienste gesteuert war.

Mit dem Beginn der Massentauglichkeit des Internets änderte sich das schlagartig. Plötzlich konnte jeder mit einem kleinen bißchen technischen Verständnis seine eigene Homepage ins World Wide Web stellen und an einer ganz neuen Form der öffentlichen Meinungsäußerung teilhaben. Kosten und Aufwand waren gering, der Nutzen hingegen sehr groß und effektiv. Es war eine echte Revolution in Sachen Meinungsfreiheit, der die Machteliten mit ihrer gelenkten Journaille zunächst hilflos gegenüber standen. Politisch unliebsame Meinungen konnten plötzlich nicht mehr so einfach unterdrückt, verschwiegen oder verzerrt werden – die Antwort kam prompt online für alle Welt sofort sichtbar.

Doch wie jede revolutionäre Sache trug auch das Internet den Keim der Selbstzerstörung bereits in sich. Wenn die Masse den Wert dieser „Waffe“ nicht begreift, weil der Spießer trotz modernster Technik immer instinktlos bleibt, dann haben die Mächtigen leichtes Spiel, auch das Internet für sich zurückzuerobern. Der Schlüssel dazu sind ausgerechnet die „sozialen Netzwerke“ wie Facebook, WhatsApp o.ä., die uns grenzenlose freie Kommunikation suggerieren sollen.

Tatsächlich aber befindet sich diese scheinbar freie Kommunikation von Millionen Menschen unter der Kontrolle weniger mächtiger Konzerne, die „rein zufällig“ alle ihren Sitz in den USA haben. Hinter diesen Konzernen steht ganz automatisch der mächtigste Überwachungsapparat der Welt – CIA, NSA, FBI. Die Konzerne kooperieren bereitwillig mit den US-Behörden, aber es wäre auch ohnehin nicht anders möglich. Sämtlicher Datenverkehr in den Netzen wird komplett überwacht und nach unliebsamen, kritischen, oppositionellen Ansichten durchforstet. Behörden und Ämter auch bei uns in Deutschland partizipieren davon, denn sie sind nun einmal die Vasallen der USA, da beißt keine Maus den Faden ab.

Auch Bundesbürger müssen also mit ganz realen Konsequenzen rechnen, wenn die globale Überwachungsmiliz auf vermeintlich verdächtige Dinge in ihrem „digitalen Leben“ stößt. Was verdächtig ist und was nicht, obliegt dabei ganz der Willkür und Phantasie der Herrschenden, die ihre Macht mit allen Mitteln schützen wollen. Seit dem 11. September 2001 tun sie es unter dem äußerst pauschalen Vorwand des weltweiten „Kampfes gegen den Terror“, der ihnen auch für das Internet unbeschränkte Möglichkeiten der Überwachung und Sanktionierung einräumt. In der Bundesrepublik wurde der Überwachungsstaat ganz besonders im Hinblick auf nationale Oppositionelle zusätzlich weiter ausgedehnt. Hier genügen also auch schon unliebsame Netzinitiativen gegen Asylantenheime oder generelle Kritik an der antideutschen Politik der Mächtigen, um ins Visier von Geheimdiensten, BKA und Bundesanwaltschaft zu geraten. Das geht schneller, als so mancher gutgläubige Bürger sich das vorstellen kann, wenn er „nur mal seine Meinung“ twittert oder auf Facebook den Daumen für eine Seite hebt, die ihm gefällt.

Es ist schwierig geworden, sich im Internet der Kontrolle des Überwachungsstaates zu entziehen und seine Meinung so zu verbreiten, daß man nicht auf der Anklagebank des Justizapparates landen kann, falls die Meinung den Regierenden ein Dorn im Auge ist. Die Machteliten schränken das Internet Stück für Stück weiter ein und die Dummheit der Masse ist ihr bester Helfer. Die Masse tummelt sich in den Netzwerken, in denen sie sich tummeln soll, ohne zu erkennen, daß sie es soll und wer das wirklich kontrolliert.

Die meisten Bürger beruhigen sich (und andere) dann gerne mit dem Argument, daß sie ja sowieso nur Kaffeklatsch halten und nichts zu verbergen hätten. Genau damit fängt jedoch die Schere im Kopf und der Beginn orwell`scher Verhältnisse an: Man unterläßt ganz bewußt Äußerungen, von denen man glaubt, daß sie vielleicht auf Mißfallen der Herrschenden stoßen könnten. Eine Selbstzensur wie zu Zeiten mittelalterlicher Kirchenmacht. Damit werden der Sinn und die Möglichkeiten des Internets in ihr Gegenteil verkehrt – das Ende einer Revolution.

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