Samstag, 27. Juni 2015

Das große Schweigen: Medien und Polizei kennen keine kriminellen Ausländer mehr


von Peter Harth



Die Schweiz ist eine der letzten Bastionen, in denen noch offen über die Nationalität von Straftätern gesprochen wird. Das soll jetzt verboten werden. Grüne, Linke und Migrations-Politiker wollen die Eidgenossen endlich politisch korrekt umerziehen. Dabei zeigt gerade das nahe Deutschland, zu welch heillosem Chaos es führt, wenn über die Täter-Nationalitäten geschwiegen wird. 





In der Schweiz ticken die Uhren bisher anders als beim großen Nachbarn Deutschland. Ein Hort der Gelassenheit mitten in der großen Eurozone. Bisher haben die Eidgenossen eisern über die Identität ihrer ausländischen Kontoinhaber geschwiegen – und waren dafür schonungslos offen, falls es um die Identität ihrer ausländischen Straftäter geht.



Wenn die Stadtpolizei in Zürich acht Kriminelle festnimmt, dann kann sich der Schweizer sicher sein: Am nächsten Morgen steht es in der Zeitung. Der Dealer aus dem Kosovo, der Vergewaltiger aus der Türkei, der Mörder aus Syrien, der Schläger aus Albanien, der Ladendieb aus Angola, der Einbrecher aus dem Irak, der Telefonabzocker aus Nigeria und der Autodieb aus Polen.



Über kriminelle Ausländer soll plötzlich geschwiegen werden



Verschwiegen wird nichts – bis jetzt, denn die Schweiz ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Grüne und Links-Politiker haben dort längst dafür gesorgt, dass die Eidgenossen beim Datenschutz für ausländische Kontoinhaber keine Skrupel mehr kennen. Alles wird ausgeplaudert. Wenn es um ausländische Straftäter geht, sollen die Schweizer dafür plötzlich das Schweigen lernen. Bald wird es auch dort in den Zeitungen nur noch heißen: »Die Polizei nahm acht Personen fest.« Die kleine Alpenrepublik steht Kopf.



Im Züricher Stadtparlament haben die Sozialdemokratische Partei (SP), die Grünliberale Partei (GLP), die Grüne Partei und die Alternative Liste (AL) die Mehrheit – und mit ihnen kommt auch eine sehr migrantenfreundliche Politik. Die SP-Fraktionspräsidentin Min Li Marti und der grünliberale Gemeinderat Samuel Dubno wollen, dass die Polizei der größten Schweizer Stadt nicht mehr die Nationalität von Straftätern nennen darf – natürlich in der Überzeugung, dass Zürich in seiner Pionierrolle voranschreitet und das ganze Land später folgt. Die Chancen stehen gut, dass der Vorstoß Erfolg hat.



Die Wahrheit? Die »führt nur zu unzulässigen Verallgemeinerungen«



Bisher stemmt sich die Schweiz geschlossen gegen den Europa-Wahn, die Herkunft von kriminellen Ausländern zu verschweigen. Medien und Polizei stellen sich dort nicht so schützend vor sie, wie das in Deutschland der Fall ist. Bei uns hat dieses Gutmenschentum dazu geführt, dass sich immer mehr Mythen um das Verbrechen ranken, weil die Wahrheit kastriert wird. Ausländer sind deshalb überdurchschnittlich oft Straftäter, weil ein Großteil der Verbrechen von kriminell organisierten Banden begangen wird – die nun einmal aus dem Ausland stammen und vom Wohlstand angezogen werden.



Das ist etwas, das Grüne und Links-Politiker den Menschen nicht sagen. Bisher sperrt sich die Schweiz anders als Deutschland mehrheitlich gegen diese Ideologie, doch die Züricher Bresche könnte nun den Schweizer Widerstand bröckeln lassen. SP-Politikerin Marti fordert von der Stadtpolizei ein Nationalitäten-Verbot in den Pressemitteilungen: »Die heutige Praxis schürt Vorurteile. Und führt dazu, dass die Polizei Ausländer öfter kontrolliert.« Der Grünliberale Dubno geht sogar noch weiter. Die Journalisten sollen nicht einmal mehr auf Nachfrage von der Polizei die Nationalität der Täter erfahren: »Diese Angabe nützt niemandem etwas, sie führt nur zu unzulässigen Verallgemeinerungen.«



»Das TäterIn« – die Endstufe der Anonymisierung



Aus den Augen, aus dem Sinn? Werden die Züricher etwa zu Ausländerfreunden – nur, weil sie nicht mehr erfahren, welche Verbrechen Ausländer begangen haben? Dies ist ja das wahre Ziel hinter dem Vorstoß von Marti und Dubno. Sie werden scheitern, das beweisen die Erfahrungen in Deutschland. Wer ausländerfeindlich ist, wird es nicht weniger, nur weil Nationalitäten verschwiegen werden. Er sieht hinter allen anonymen Tätern den Polen, den Bosnier, den Albaner, den Türken oder den Angolaner. Sogar dann, wenn in Wahrheit ein Mitteleuropäer ohne Migrationshintergrund der Mörder ist.



Das Schweigen löst die Vorurteile nicht, es schürt nur den unterschwelligen Rassismus. Vor allem, weil die Statistik auch in der Schweiz nicht lügt: Die Kriminalitätsrate von Ausländern ist dort höher – wie überall. Außerdem bleibt die ungelöste Frage, wo die Anonymisierung eigentlich noch enden soll? Geschlecht, Alter, Herkunft? Alles weg. Eigentlich könnte ja auch die Tat den Täter verraten und damit diskriminieren. Also bitte auch verschweigen. In den Medien darf dann nur noch stehen: »Die Polizei meldet, dass etwas passiert ist. Die Tat wurde von einer Person begangen und eine andere Person war das Opfer. Mehr dürfen wir nicht mehr sagen.«



Gutmenschentum ist nicht immer mit gesundem Menschenverstand vereinbar



Letztendlich zerstören damit vor allem die Journalisten ihre Glaubwürdigkeit – etwa, wenn zum Schluss nur noch von »das TäterIn« geschrieben werden darf. Übrigens: Dieser Wahn von absoluter Anti-Diskriminierung nimmt besonders die Täter in Schutz; egal, welcher Nationalität. Gutmenschentum ist leider nicht immer mit gesundem Menschenverstand vereinbar. Trotzdem oder gerade deshalb halten sich in Deutschland weder Polizei noch Medien konsequent an dieses Anti-Diskriminierungsgebot.



Dabei schreibt es der Pressekodex den Journalisten eigentlich vor. Richtlinie 12.1 verbietet, dass »die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten« verraten wird – vor allem, »wenn die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte«. Doch es gibt eine Hintertür: »Wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.«



Journalisten dürfen alles verraten – oder nichts



Eine wachsweiche Formulierung, die den Journalisten am Ende alle Freiheiten lässt. Sie dürfen alles verraten oder nichts, es muss nur irgendwie begründbar sein.
Deshalb belagerte eine Meute von Reportern nach dem Absturz der Germanwings-Maschine die Stamm-Pizzeria des Selbstmord-Piloten. Nachbarn, Pfarrer, Bäcker, Schuhmacher und die Leute vom Flug-Club – der ganze Ort wurde ins mediale Rampenlicht gezerrt.



Weil Richtlinie 12.1 aber vor allem »Vorurteile gegenüber Minderheiten« verhindern will, messen die deutschen Medien mit zweierlei Maß. Solange der Täter kein Ausländer ist oder einer Minderheit angehört, darf ruhig alles verraten werden. Ist der Täter aber ein Ausländer, setzt bei vielen Journalisten die freiwillige Selbstzensur ein – aus Diskriminierung wird plötzlich Aufwertung. Der ausländische Straftäter wird von den Medien mit Samthandschuhen angefasst, gerade weil er Ausländer ist.



Was wir in unseren Zeitungen über Verbrechen lesen



Etwa, als 2013 drei marokkanische Fußballer einen Linienrichter in Amsterdam totprügelten. Die niederländischen Medien setzten ihre Scheuklappen ab und schrieben, dass 40 Prozent aller marokkanischen Einwanderer zwischen zwölf und 24 Jahren verurteilte Verbrecher sind. Viele Deutsche erfuhren dank ihrer Medien nicht einmal, dass die Täter überhaupt Marokkaner waren.



Was wir in unseren Zeitungen über Verbrechen lesen oder nicht lesen, ist ein heilloses Chaos. Dabei bestimmt die politische Haltung der Redaktionen, was verschwiegen wird und was nicht.



Je nach Herkunft des Täters verhalten sich die Journalisten ganz unterschiedlich. Mal stellen sie sich penibel taub, mal suchen sie den Schmutz in der kleinsten Ritze. War das etwa der Sinn hinter dem Anti-Diskriminierungswahn?



Anti-Diskriminierung wird zum Ausländer-Bonus



Nicht einmal Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Deutschland eine klare Linie. Die einen verschweigen in ihren Mitteilungen die Herkunft, andere plaudern regelrecht. Es lässt sich ja irgendwie alles begründen. Die Bundespolizei nennt gerne die Herkunft der Festgenommenen – sie muss schließlich das Aufenthaltsgesetz und das Asylverfahrensgesetz durchsetzen. Aber es gibt selbst regionale Unterschiede. Die Dortmunder Polizei beschrieb einen Fahrraddieb als 35-jährigen Bulgaren. Die Polizei in Baden-Württemberg verriet hingegen die Nationalität eines Mörders nicht.



Letztendlich stoßen aber nicht nur die Polizisten an ihre Grenzen bei diesem politisch verordneten Schweigegelübde. Wie lässt sich etwa ein islamischer Ehrenmord erklären, wenn niemand die Religion von Täter und Opfer erfahren soll? Unmöglich. Deshalb sollten sich die Schweizer genau überlegen, wem das Schweigen am Ende hilft. Es macht Ausländerfeinde gewiss nicht zu Ausländerfreunden – gerade weil diese Anti-Diskriminierungs-Vorschrift am Ende als das gesehen wird, was sie ist: Ein Ausländer-Bonus, der die Realität verschleiern soll.
 

Wenn, dann Transparenz für alle.



Quelle: Kopp online

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