Montag, 11. Mai 2015

Massenmedien dämonisieren GDL-Chef Weselsky



Claus Weselsky ist derzeit wohl der meistgehaßte Mann Deutschlands. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL wird von den etablierten Massenmedien regelrecht dämonisiert, als sei er der Teufel persönlich. Schon im November letzten Jahres schreckten „BILD“ und „Focus“ nicht davor zurück, seine Telefonnummer zu veröffentlichen und sein privates Wohnumfeld steckbriefartig zu beschreiben, was mehr oder weniger einem verklausulierten Aufruf zu Anschlägen gleich kam.

Auch im Zuge des Bahnstreiks der letzten Woche erreichte die Medienhetze wieder unglaubliche Ausmaße. Weselsky sei „wie ein Hassprediger“, wie ein „Diktator“, ja sogar Vergleiche mit Hitler durften nicht fehlen. Und das alles bloß, weil Weselsky eine Gewerkschaft leitet, die ihr Grundrecht auf Streik im Arbeitskampf wahrnimmt. Da fragt man sich echt: Wo leben wir hier eigentlich? Der Mann hat sich doch nichts zu Schulden kommen lassen, er ist kein Krimineller, nicht mal ein Politiker. Er tut nichts anderes, als die Interessen seiner Lokführer so zu vertreten, wie man es sich nur wünschen kann und worauf man bei vielen anderen Gewerkschaftsfunktionären lange warten könnte.

War anfangs das Verständnis für die streikenden Lokführer noch spürbar größer, so haben die Massenmedien es inzwischen geschafft, dieses Verständnis komplett umzuwandeln und gegen die Lokführer zu richten. Kleingeistig und egoistisch, wie die meisten Bundesbürger leider sind, haben sie sich von der Meinungsmache der Massenmedien nur zu gerne manipulieren lassen. An seine persönlichen Nachteile aus dem Bahnstreik denkt jeder, an das Recht der Streikenden immer weniger.

Jeder erwartet freundliches und ausgeruhtes Bahnpersonal, das die Sicherheit seiner Fahrgäste garantiert, aber kaum jemand solidarisiert sich mit den Lokführern, die gemessen an ihrer Verantwortung und ihrer Leistung alles andere als fair bezahlt werden. Die Lokführer und deren Lohnforderungen sind nicht schuld daran, daß die Fahrpreise der Deutschen Bahn ständig steigen. Das hat einzig und alleine die Politik mit ihrer kriminellen Privatisierung unseres Volkseigentums Bahn zu verantworten. Vielmehr hat gerade die Privatisierung der Bahn dazu beigetragen, daß die Bahn-Beschäftigten heutzutage viel schlechter behandelt und bezahlt werden, als es früher der Fall war, als wir noch eine Staatsbahn hatten.

Doch die nicht die falsche Politik wird in den Massenmedien verteufelt, sondern der Leiter einer Gewerkschaft, der ganz legitim dazu gewählt worden ist. So viel zum ach so demokratischen Verständnis all jener Vorzeigedemokraten, die sich jetzt in ihrer Hetze gegen die GDL überschlagen. Die Massenmedien stehen offenbar fest an der Seite der Machtelite und versuchen einen legitimen Streik mit ihren Methoden der psychologischen Stimmungsmache zu beenden. Das bahnfahrende Volk wird gezielt von ihnen aufgehetzt. Und das mit Erfolg. Selbst von ganz normalen Arbeitskollegen, die nicht mal selber bahnfahren müssen, hört man jetzt schon Sprüche, daß der Weselsky ja „wie ein zweiter Hitler“ sei.

Dafür hört man von anderen Gewerkschaften erstaunlich wenig. Wo bleibt die Solidarität der Herren Genossen oder des selbstverliebten Dachverbandes, der am 1.Mai gerade erst wieder große Reden schwing, aber seinen Einfluß nicht dazu nutzte, um die Pogromhetze der Medien gegen Weselsky und die GDL zu stoppen? Wo bleibt die Unterstützung der Linken, die sonst aus jedem kleinen Streik eine große Revolution machen? 

Man steht ein wenig unter dem Eindruck, daß ihnen allen dieser Claus Weselsky nicht so recht geheuer sei. Man hört ja, er sei ein „Betonkopf“, also auf gut deutsch: gradlinig und konsequent. Das sind natürlich Eigenschaften, die in dieser verweichlichten Gesellschaft nicht mehr gern gesehen sind. Und korrupt wie manch anderer in solcher Funktion scheint Herr Weselsky auch nicht zu sein. Von der Bahn jedenfalls ließ er sich bislang nicht kaufen oder mit Posten ködern. Kein Kriecher und nicht korrupt – daß ist für viele Journalisten und Politiker geradezu unvorstellbar. Kein Wunder, daß sie diesen Mann hassen müssen.

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