Sonntag, 5. April 2015

ARD-Schmierenkomödie verreisst Bernhard Grzimek



Bernhard Grzimek ist fraglos einer der bedeutendsten Tierärzte und Verhaltensforscher der Welt. Seine Arbeit im Bereich der Bekämpfung von Rinder- und Geflügelseuchen, sein Einsatz für bedrohte Tierarten und sein daraus resultierendes Engagement für den Umwelt- und Naturschutz wirken bis in die heutige Zeit.

Von seinen legendären Fernsehsendungen, in denen er dem Publikum erstmals viele wilde Tierarten so nah brachte wie kein anderer, bis hin zu seiner umfangreichen Forschungs- und Dokumentationsarbeit – nicht nur in Afrika – hätte es so unendlich viel wertvolles Material über sein Lebenswerk gegeben, das man in einer großen Filmbiographie hätte würdigen können. Es hätte ein filmisches Denkmal werden können, das den Verdiensten dieses Mannes wirklich gerecht wird.

Doch die Ideologen der ARD haben es geschafft, das Andenken an den 1987 verstorbenen Grzimek zu einer primitiven Schmierenkomödie auf Hollywoodniveau zu verreißen. Im Vordergrund stand eben nicht das Lebenswerk des begnadeten Tier- und Naturschützers, sondern dessen Privatleben, welches offenbar nicht in die sauberen Moralvorstellungen selbsternannter demokratischer Vorzeigemoralisten paßt. Grzimeks Wirken und Schaffen geriet in dem langatmigen ARD-Streifen phasenweise fast zur Randerscheinung, während private Ausschweifungen völlig übertrieben dargestellt wurden.

Als Zuschauer hatte man irgendwie das Gefühl, das diese privaten Ausschweifungen im Mittelpunkt des voyeuristischen Interesses der Filmproduzenten standen und möglicherweise dazu genutzt werden sollten, um Grzimek posthum noch ein wenig mit Dreck zu bewerfen. Nachdem der Zuschauer eine Weile um Unklaren über eventuelle Motive für diesen Verriß gelassen wurde, kam dann irgendwann nach etwas mehr als der Hälfte des Films doch noch der entscheidende Satz zur Sprache: Grzimek war ja ein Nazi! Ein Mitglied der NSDAP seit 1937! Daher wehte also der Wind. Nun war plötzlich sehr klar, warum der moralisch durchtriebene Weiberheld Grzimek offenbar viel interessanter für die Macher war, als der Arzt und Forscher Grzimek.

Eine ernsthafte Biographie, mit der jemand gewürdigt werden soll, kann so wohl kaum aussehen. Natürlich ist das Privatleben auch Teil einer Biographie, aber es ist doch immer die Frage, welches Gewicht das Private im Gesamten hat. In Grzimeks Leben spielte das Private immer eine untergeordnete Rolle, während seine berufliche Arbeit immer im Vordergrund stand. Die ARD-Komödie erweckt aber genau den gegenteiligen Eindruck und verzerrt den verdienten Tierforscher zu einer Art gewerbsmäßigem Lustmolch, der mit zahllosen Frauen schlief, um Spenden für seine Forschungsarbeit zu „erbumsen“. Eine solche Erniedrigung trifft wohl kaum den Kern der Sache, bleibt aber bei vielen Zuschauern negativ hängen: Ein Nazi und dann auch noch so ein durchtriebener Lüstling, der seine Familie kaputtmacht.  

Das spiegeln auch manche Presseberichte nach der Ausstrahlung des ARD-Streifens wider. Die BILD-Zeitung schreit lauthals „Nazi“ und hat auch schon die entsprechenden Dokumente parat, die sogar seine Mitgliedschaft in der SA ab 1935 belegen. Wenn die ARD das erreichen wollte, dann haben die öffentlich-rechtlichen Ideologen mal wieder alles richtig gemacht. Wenn es ein würdiges Denkmal für Bernhard Grzimek werden sollte, dann war es ein totaler Griff ins Klo.

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