Freitag, 27. März 2015

Medientribunal gegen den Germanwings Co-Piloten ?



Seit dem Bekanntwerden des Absturzes eines Germanwings-Flugzeuges in Frankreich hat die etablierte Medienmeute mit der Suche nach Schuldigen begonnen. Was eigentlich nur die Aufgabe versierter Ermittler sein kann, wird von Journalisten mit schlagzeilenträchtiger Vorverurteilung betrieben. Pietät, Anstand oder Sitte kann man bei diesem Berufsstand bekanntlich knicken. Vertreter maßgeblicher Leitmedien agieren viel mehr auf dem Niveau von Kinderschändern oder ähnlichen Perversen.

So wurde eine Schule in Nordrhein-Westfalen sehr schnell zum Zielobjekt journalistischen Ungeistes, weil sich in dem verunglückten Flugzeug eine ganze Schulklasse befunden hatte. Seitdem wird die Schule von Medienschmeißfliegen geradezu belagert, um den trauernden Mitschülern und Lehrern möglichst viele verwertbare O-Töne zu entlocken.

Natürlich würde die Journaille am liebsten auch in das Wohnhaus des Piloten eindringen und dessen trauernde Familie von morgens bis abends belästigen. Schlimm genug, dass das schon ein Fall für die Polizei ist, das Wohnhaus vor diesem Medienpack zu schützen. Den letzten paar anständigen Journalisten dürfte das sicher die Fremdscham ins Gesicht treiben.

Doch auch die Suche nach den Schuldigen des Absturzes hat bereits das Objekt der Begierde gefunden: Den Co-Piloten. Der wird gerade in allen etablierten Medien als eine Art Massenmörder vorgeführt und vorverurteilt, noch ehe überhaupt die Ermittlungen richtig angefangen haben.

Zur Erinnerung: Bislang ist lediglich der sog. Voice Recorder ausgewertet worden. Da es keine Überlebenden gibt, gibt es keinerlei Aussagen über den wirklichen Hergang des Absturzes. Da auch die sog. Blackbox bislang nicht gefunden wurde, liegen auch noch keinerlei technische Details zur Auswertung vor. Auch die Leiche des Co-Piloten wurde bislang weder gefunden noch obduziert, so dass z.B. über mögliche Krankheitsbilder, plötzliche auftretende schwerwiegende Gesundheitsprobleme oder die Einnahme von Drogen etc. nichts gesagt werden kann.

Es steht also lediglich die etwas vorschnelle Vermutung der französischen Staatsanwaltschaft im Raum, dass der Absturz möglicherweise vorsätzlich vom Co-Piloten herbeigeführt worden sein KÖNNTE. Belegt ist das bislang nicht. Der Voice Recorder zeigt offenbar auch nur, dass der Pilot nicht mehr zurück ins Cockpit gelangen konnte. Warum, steht noch gar nicht fest. Und dass der Co-Pilot angeblich bis zum Schluss ganz ruhig geatmet haben soll, ist auch nur eine vage Vermutung aufgrund der Geräuschlage, die SO nicht unbedingt stimmen muss und auch ganz andere Ursachen haben kann, als bislang in den Raum gestellt wird.

Die Medienmeute rührt nun in der Vergangenheit des Co-Piloten und pflückt sein ganzes Leben öffentlich auseinander. Dabei ist man offenbar auch auf eine Krankheit aus der Vergangenheit gestoßen. Der junge Mann soll mal kurzzeitig an Depressionen gelitten haben, so heißt es. Belegt ist das noch nicht. Und selbst wenn: Die Krankheit ist sechs Jahre her und muss überhaupt keinen Zusammenhang mehr mit heutigen Ereignissen haben. Aber auch das ist typisch für die Medienhetze: Es wird verallgemeinert und vereinfacht. Einmal depressiv, immer depressiv. So einfach ist das, auch wenn es medizinisch totaler Quatsch ist.

Was immer sich am Ende herausstellen wird: Diese Flugzeugtragödie ist schon jetzt wieder ein schlimmes Beispiel für die unheilvolle Macht der etablierten Massenmedien, die ohne eigenes Wissen vorschnell aufgrund von Vermutungen ein regelrechtes Tribunal errichten, ohne das Ende von Ermittlungen abzuwarten. Es ist auch nicht so, dass in den Medien lediglich die Ansicht der Staatsanwaltschaft wiedergegeben würde. Vielmehr wird diese Ansicht in den Schlagzeilen rein subjektiv als Fakt dargestellt, obwohl es noch kein Fakt ist.

Das Schlimme dabei: Die etablierten Schmierfinken tun sich bekanntlich sehr schwer damit, von ihrer einmal propagierten Meinungsmache wieder abzurücken und falsche Vorurteile wieder zurück zu nehmen. Geschweige denn, sich bei den Betroffenen ihres vorschnellen Tribunals – in diesem Fall der Familie des Co-Piloten – zu entschuldigen. Das ist der Machtmißbrauch der Lügenpresse, die eben darum auch keine andere Bezeichnung mehr verdient hat.

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